Kritik zuDer Sandmann
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Zoom-Inszenierung mit interessantem Kniff
  · 10.04.21
Einsam sitzt der Computer-Nerd Nathanel (Péter Polgár) vor seinem Rechner, starrt auf die Zahlenkolonnen und steigert sich immer tiefer in Wahn- und Albtraum-Phantasien hinein. E.T.A. Hoffmanns schwarzromantisches Schauermärchen vom „Sandmann“ hat Alexander Nerlich in seiner Bearbeitung für das Stadttheater Ingolstadt in die Gegenwart verlegt, behält aber die wesentlichen Motive und Handlungsstränge der Erzählung bei.

Die Studie vom psychischen Zusammenbruch eines Vereinsamten und Traumatisierten dauert bereits mehr als eine Stunde, als die Inszenierung einen interessanten Kniff bereithält. Warum der Regisseur und sein Team das Medium Zoom wählten, wird nun klar: der Administrator schaltet die Lautsprecher des Publikums frei. Auf den nach seiner unglücklichen Erfahrung mit der Künstlichen Intelligenz Olympia (Theresa Weihmayr) ohnehin schon demoralisierten Nathanel prasseln nun hämische Kommentare und flüsternde Stimmen der Zuschauer*innen ein, die als Stimmen im Kopf des Verzweifelten direkt ins Geschehen eingreifen, ihn noch weiter in die Enge und den Suizid treiben.

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