Kritik zuFaust II
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Avatar-Experiment zu eintönig vorgetragenem Goethe-Text
  · 13.02.21
Das unerforschte Terrain, das der polnische Regisseur an der Schnittstelle zwischen Theater-Klassiker aus dem deutschen Bildungskanon, Film und virtueller Realität betritt, ist so schwankend wie die Wackelkamera, die Faust (Thieß Brammer) durch den knapp 100 minütigen Abend begleitet.

Das Interessante an dieser Inszenierung ist, dass sie leibhaftige Schauspieler*innen aus dem Stadttheater-Ensemble auf künstlich erschaffene Avatare treffen und mit ihnen interagieren lässt. Wie Cybertheater-Experte „dabeigewesen“ in einem Kommentar auf Nachtkritik treffend schreibt, ähnelt die Ästhetik dieser „Faust II“-Welten jedoch noch zu sehr den „Second Life“-Welten und der Videospiel-Ästhetik der 00er-Jahre, in denen auch die „Ultraworld“-Installation von Susanne Kennedy und Markus Selg vor einem Jahr an der Volksbühne stecken blieb, „als sei die Entwicklung dort stehen geblieben, als böten nicht die virtuellen Welten ganz andere Möglichkeiten“. Aber es ist anerkennenswert, dass ein Stadttheater – noch dazu eines abseits der Metropolen – ins Risiko geht und neue Formate auf hohem technischem Niveau ausprobiert.

Bei dieser Expedition wird das Publikum allerdings auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die Goethe-Verse aus seinem kaum noch aufgeführten Alterswerk „Faust II“ werden gleichförmig und sedierend vorgetragen.

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