Kritik zuWasted
3.0/5
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Sehenswerte lyrische Intermezzi in einem konventionellen Sozialdrama
  · 12.02.21
Interessant wird der Theaterfilm, den Magz Barrawasser für das Landestheater Detmold entwickelte, immer dann, wenn er die Grenzen des konventionellen Theaters sprengt: in den kurzen Intermezzi, in denen die drei Spieler*innen die Handung kommentieren und lyrisch über die Leere dieser Thirtysomething-Figuren sprechen, die in der Provinz festsitzen und desillusioniert sind. Das Trio wechselt sich mit kurzen Versen ab, die zu einem Chor verschmelzen. In diesen kleinen lyrischen Passagen merkt man deutlich, dass Kae Tempest ursprünglich vom Rap und der Spoken Word Performance kommt. Judith Holofernes konnte in ihrer Übersetzung den Rhythmus des Originals gut bewahren. Diese Chor-Passagen sind mithilfe der Split Screen-Technik auch filmisch gekonnt umgesetzt.

Der Rest der 70 Minuten ist jedoch ein recht konventionelles Sozialdrama, wie wir es in den vergangenen Jahrzehnten schon oft von Autoren wie Simon Stephens gesehen haben. In diesen Passagen fehlt der unverkennbare, schnoddrig-wütende Kae Tempest-Ton. Das liegt aber wohl mehr am Stücktext als an der Inszenierung: In <Wasted>, dem ersten Theater-Stück, das Kae Tempest 2013 veröffentlichte, machte die nonbinäre Autor*in viele Kompromisse und imtierte zu sehr den gewohnten Stil britischer Well-made-Plays.
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