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Frontal-Theater mit technischen Gimmicks und ein paar Witzchen
  · 02.01.21
Ursprünglich hat das irische Theater-Duo <Dead Centre> diesen Abend bereits im Herbst für das Dublin Theatre Festival entwickelt. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung, die das Burgtheater an Silvester und einigen Januar-Terminen live aus dem Kasino streamt, hat Michael Maertens den Part von Jack Gleeson übernommen.

Mit ein paar schalen Witzchen führt er durch den 45 Minuten kurzen Stream. Pathetisch beschwört er immer wieder die Ko-Präsenz, die das Wesen des Theaters ausmache und im Lockdown unmöglich ist. In ein paar Szenen werden die Videos eingebaut, die alle Zuschauer vorab hochladen sollten und die auf den Tablets im leeren Theatersaal abgespielt werden. Auch per Chat melden sich einige Zuschauer per Kurznachrichten.

Mit dem Rest der Inszenierung sind dies pathetische Beschwörung der Ko-Präsenz und die technischen Gimmicks dramaturgisch jedoch kaum verbunden. Fehlende Ko-Präsenz hin oder her: <Die Maschine in mir (Version 1.0)> läuft auf eine besonders fade Form des Theaters hinaus: Frontal-Erklär-Theater. Maertens stellt einige Vordenker des Transhumanismus wie Ray Kurzweil vor, die der irische Autor Mark O’Connell in seinem Buch <Unsterblich sein> porträtiert hat. Auf dem Tablet bekommen wir einige Info-Schnipsel serviert, aber eine Auseinandersetzung mit den Thesen des Transhumanismus versucht der Abend gar nicht erst. Stattdessen springt Maertens zum nächsten Witzchen.

Wer bis zum Schluss durchhält, wird beim Abspann mit dem Arcade Fire-Song <My body is a cage> belohnt. Denn dies ist auch der zentrale Gedanke des Transhumanismus: die menschlichen Körper sind unperfekte Hüllen, die es zu überwinden und mit allen Mitteln morderner Technik zu verbessern gilt.
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