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Re-Enactment des Versuchs, mit Rechten zu reden
  · 15.12.20
Das Quartett haut sich die Schlagworte um die Ohren, während die beiden Moderatorinnen versuchen, die vorgegebenen Themen im starren Zeitschema abzuhaken. Nach dem ersten Beschnuppern bekommen die vier bunt zusammengewürfelten Münchner*innen die Aufgabe, dem 75jährigen Josef Schneider, der ebenfalls für dieses Format gecastet worden war, auf seine vom Band eingespielten Resentiments gegen Flüchtlinge und auf seine spitzen Bemerkungen gegen Fridays for Future zu antworten. Gemeinsam sollen sie einen Brief verfassen. Auch diese Diskussion wurde im März mitprotokolliert und nun vom Kammerspiele-Ensemble nachgesprochen. Absehbar können sich die vier Diskutant*innen nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Ungelenke Formulierungen und Floskeln werden aneinandergereiht. Es kommt, wie es kommen muss: Schneider überfliegt den Brief und tut ihn als irrelevant ab, als Paulmann und Puls ihn im September, einen Monat vor der Premiere, noch einmal ins Theater zu einem Wiedersehen eingeladen haben. Der Versuch, mit dem Rechten zu reden, landete in der Sackgasse.

Der spannendste Moment des Abends, der über sprödes Doku-Reenactment nicht hinauskommt, ist aber nicht die Interaktion mit dem Publikum, sondern der Schluss-Dialog: Paulmann und Pauls versuchen, sich in Schneider hineinzudenken, und zählen in einem heiteren Ping-Pong all die Gründe auf, die zum Scheitern der Kommunikation führten. Für ihn waren die beiden immer nur privilegierte Schauspielerinnen, die sich in ihrer Künstler-Blase im Stil von Pippi Langstrumpf die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt, und seine Mansplaining-Welterklär-Monologe einfach an sich abprallen lassen.

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