Kritik zuDantons Tod
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Revolutionszombies neben Roboterarm
  · 17.11.20
Vor zehn Jahren hat Sebastian Baumgarten den Büchner-Klassiker schon einmal inszeniert. Die Premiere am Berliner Gorki Theater erntete Verrisse: das Revolutionsdrama verkomme zur Farce, Baumgarten nehme den Büchner-Text nur als Material für einer ermüdende Assoziationsmaschine. Die historischen Figuren ließen sich nicht mehr klar zuordnen und verschwammen als „lauter freischwebende Fragmentteilchen“, kritisierte damals der viel zu früh verstorbene Dirk Pilz in der Berliner Zeitung.

Überbordend ist auch diese neue „Dantons Tod“-Inszenierung, die zwei Tage vor dem Kultur-Lockdown am Residenztheater in München Premiere hatte und in den letzten beiden November-Wochen online abrufbar ist. Wie von Baumgarten gewohnt, setzt er häufig Videos im Stil des expressionistischen Stummfilms ein, für die an diesem Abend Chris Kondek zuständig ist. Auch eine überdimensionale Lenin-Figur greift mit ihren kritischen Anmerkungen in die postrevolutionären Diskurse ein.

Doch statt Farce und Klamauk sind an diesem Abend eine große Ernsthaftigkeit zu spüren. Der klassische Büchner-Text ist nicht nur Material, sondern kommt – mit einigen Kürzungen und Umstellungen – in seiner ganzen Wucht zur Geltung. Die bekannten historischen Figuren sind klar erkennbar und jeweils einem Spieler zugeordnet: Florian von Manteuffel als Danton und Lukas Rüppel als Robbespierre stehen sich als die beiden Antagonisten gegenüber. Bis in die Nebenrollen ist der Abend mit insgesamt 17 Spieler*innen prominent besetzt: so spielt zum Beispiel Sibylle Canonica die Grisette Marion oder Johannes Nussbaum den Lacroix, der gemeinsam mit Danton und seinen Anhängern zum Schafott geht.

Zwischen all den auf das Publikum einprasselnden Videos und scharfen Wortgefechten dreht sich die gewaltige Bühne fast ständig. Im Gegensatz zu den Revolutionären kommt Büchner diesmal nicht unter die Räder. Fremdtexte setzt Baumgarten nur behutsam ein, zum Beispiel zum Finale, als Thomas Lettow vor dem Tribunal aus einem Aufsatz des Philosophen Boris Groys über das Verhältnis von Kunst, Politik und Revolution.

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