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DDR-Aufarbeitungsroman
  · 27.10.20
''Wie im Roman rahmt auch in der Inszenierung die innige Beziehung Geipels zu ihrem jüngeren Bruder, der 2018 infolge eines Hirntumors starb, die Familiengeschichte und die historischen Berichte, die Geipel aus Akten und anderen Publikationen zur DDR recherchiert hat. Johann Jürgens (langjähriger Petras-Darsteller) als Bruder Robby mit Kopfverband auf einer Krankenausliege wird von der Schwester besucht. Petras doppelt diese Figur durch Suzann Thiede und ihre Tochter Lucie Luise Thiede. Beide sind auch in den Rollen der Mutter und Großmutter zu sehen. Im Roman schreibt Geipel aus der Erinnerung an ihren bereits verstorbenen Bruder. Hier ist Robby immer mit anwesend, obwohl er sich bis zuletzt geweigert hat, die Stasiakten des Vaters zu lesen. „Warum soll ich das auskämpfen?“ sagt Johann Jürgens einmal. Verdrängung bis zum Ende, was sich auch in der Rede des Sohns am Grab des Vaters manifestiert. Vater und Großvater werden von Gunnar Teuber (ebenfalls aus der Petras-Riege) verkörpert. Er wirkt in Hut und Anzug wie eine Karikatur auf Erich Honecker.

Auch sonst fährt Petras einiges an Ostklischees auf, lässt die SchauspielerInnen in Kostümen der beliebten DDR-Puppen Sandmännchen, Pittiplatsch, Schnatterinchen, Herr Fuchs und Frau Elster die „Elternkisten“ Robbys durchkramen. Es erklingen Ostschlager von Manne Krug, oder der Mont Klamott von Silly und - wir sind in Cottbus - die Lokalmatadoren Sandow mit ihrem Nachwendehit Born in the GDR. Als maine theme des Petras-Soundtracks wird aber immer wieder der Song Lippy Kids von der britischen Band Elbow angespielt. Die Zeile „Build a rocket boys!“ verweist auf eines der Kinderspiele von Bruder und Schwester. Kleine poetische Erinnerungssplitter, die Geipel immer wieder vor und ans Ende der einzelnen Kapiteln stellt. Dazwischen tut sich ein Abgrund aus verdrängter häuslicher Gewalt und allgemeiner Geschichtsklitterung auf, die Armin Petras wohl dosiert über den Abend verteilt. Einiges davon wird einem Cottbuser BürgerSprechchor in den vielstimmigen Mund gelegt. Sie geben jüdische Bürger aus dem „Schlachthaus Riga“ oder ein Defilee sozialistischer Werktätiger zum 1. Mai, wobei Gunnar Teuber alles minutenlang hochleben lässt.'' schreibt Stefan Bock am 26. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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