2.3/5
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Sitzend abgespult
  · 24.10.20
Stilistisch sind die schmalen 70 Seiten ein Hybrid aus der träumerisch-weltabgewandten, sich an Naturidyllen berauschenden Prosa von Peter Handke und erstaunlich vielen Kalauern und Gedankensplittern, die ironisch das zuvor Gesagte in Frage stellen und eher an Handkes Landsfrau und Literaturnobelpreisträger-Kollegin Elfriede Jelinek erinnern.

Der raunend-schwurbelnde Ton des Textes macht die Lektüre anstrengend und nur für Handke-Aficionados empfehlenswert. Szenisch hat dieser assoziative Gedankenfluss kaum mehr Potenzial als das Telefonbuch von Recklinghausen. Eine Inszenierung von „Zdeněk Adamec“ ist also eine gewaltige Herausforderung für die Regie.

Bei der Uraufführung des Textes bei den Salzburger Festspielen mühte sich Friederike Heller daran ab, allerdings mit mäßigem Erfolg, wenn man den Kritiken vom Sommer glauben darf. Für die deutsche Erstaufführung von Jossi Wieler, bis 2018 Intendant der Oper in Stuttgart, in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin richtete Jens Kilian eine Guckkasten-Bühne voller Heiligen-Bilder ein, die nach 80 Minuten in ihre Einzelteile zerfällt.

Statt einer überzeugenden Inszenierungs-Idee, die bei diesem Text besonders notwendig wäre, lässt Wieler seine sechs Spieler*innen weitgehend alleine. Der Text wird meist sitzend abgespult. In dieser extrem statischen Inszenierung ist es schon das Maximum an szenischer und choreographischer Phantasie, wenn sich jemand aus dem Ensemble zwei Schritte zur Seite bewegen darf.

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