4.6/5
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Ariadne auf Naxos
  · 11.10.20
Im Haus eines reichen Mannes
Alles beginnt im Haus eines reichen Mannes. Wir sehen nicht die mondäne Abendgesellschaft, die besagter Mann gerade abhält, sondern wir sind hinter den Kulissen, beim Gesinde quasi. Der alternde Musiklehrer (Arttu Kataja) schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen! Der Haushofmeister (Elisabeth Trissenaar) hat ihn gerade darüber informiert, dass die tragische Oper „Ariadne auf Naxos“, die einer seiner Schüler exklusiv für diesen Abend komponiert hat, nun nicht mehr die einzige Vergnügung des Abends ist. Stattdessen wünscht der Hausherr noch etwas Seichtes zur Auflockerung und hat eine Tanzgruppe angeheuert! Frevel! Der Musiklehrer ist bestürzt. Was wird sein armer Schüler nur denken, er wird in seiner zarten Künstlerseele angegriffen sein.
Lieber ins Feuer!
Und Recht hat er. Der Komponist (Marina Prudenskaya) droht prompt mit Selbstmord. Lieber ins Feuer mit seinen Noten als seine Oper derart verhunzt zu sehen. Mit einem schnöden Tanzstück, auch noch einem frivolen Tanzstück, möchte er seine tragische Ariadne nicht am gleichen Abend vorführen, niemals! Der Musiklehrer, etwas weniger dramatisch, erinnert sanft an das Geld, das der Komponist bekommen wird. Aber es kommt noch schlimmer! Der Haushofmeister verkündet, dass der Herr des Hauses nun entschieden hat, die beiden Stücke mögen gleichzeitig gezeigt werden. Das dürfte bei der großzügigen Gage, die sowohl Komponist als auch Tanzmeister bekommen, ja wohl kein Problem darstellen, mokiert der hochnäsige Haushofmeister.
Zerbinetta und ihre vier Verehrer
Ehe sich der junge Komponist wegen des reichen Kunstbanausen noch weiter ereifern kann, betritt nun die schöne Zerbinetta (Serena Sáenz) die Bühne, die mit ihren vier glühenden Verehrern das freche Tanzspektakel des Abends darstellen wird. Ihre Schönheit macht den Komponisten prompt empfänglicher für Änderungen an seiner Oper. Die Darsteller von Ariadne (Anna Samuil) und ihrem Bacchus (Andreas Schager), gediegene Künstler, sind allerdings ebenfalls alles andere als begeistert von, die Bühne nun mit solch liderlichem Volk teilen zu müssen.
Die Oper selbst, von Komponist und Tanzmeister (Florian Hoffmann) in Minuten zusammengeschrieben, ist dann aber doch noch ein Erfolg, vor allem, weil die Geschichte der so verzweifelt verliebten Ariadne und der leichtherzigen Zerbinetta, die viele Männer liebt, überraschend gut harmonieren!
Witzig und kurzweilig
Eine sehr schöne, stellenweise wirklich witzige Oper, der man ihr Alter (Erste Fassung 1912) gar nicht anmerkt, in ihrer cleanen Form, in der sie in der Staatsoper unter den Linden auf die Bühne gebracht wird. Die Bühne ist spartanisch, die Damen tragen einfache Kleider, (natürlich) schwarz für Ariadne und leidenschaftliches Rot für Zerbinetta. Sehr kurzweilig, mit wunderschöner Musik und mit einem grandiosen Bacchus (Andreas Schager) und einem wunderbar verzweifelten Komponisten (Marina Prudenskaya).
Musikalische Leitung: Thomas Guggeis, Inszenierung: Hans Neuenfels, Bühnenbild: Katrin Lea Tag, Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer.
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