Kritik zuGespenster
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Düstere Champagner- Party mit Gespenstern
  · 09.10.20
''Der Star des Abends ist eindeutig Corinna Kirchhoff als Helene Alving im schwarzen Biedermeier-Look. Taff, trocken und abgeklärt erzählt sie dem biederen Pastor Manders, genauso bieder von Veit Schubert gespielt, die wahre Familiengeschichte der Alvings. Nach dem katholischen Bischof und Sterbehilfegegner in Gott, gibt Schubert nun den protestantisch-korrekten Gottesmann, der Helene, die damals vor ihrem Mann zu ihm geflüchtet war, wieder zurück geschickt hatte und jetzt Predigten über Pflicht und Ideale hält. Er kümmert sich um die Geschäfte des von Helene mit dem Geld des Hauptmanns gestifteten Kinderasyls, eine Art Reinwaschung von den Verfehlungen Alvings. Ein ziemlich bigottes Treiben, dessen unversichertes Produkt in den Flammen des „Strafgerichts“ aufgeht.

Ziemlich verloren wirkt hier Paul Zichner als Osvald Alving zwischen zwei schwarzen Engeln. Meist etwas abwesend wirbt er entweder um die Liebe seiner Mutter oder die seiner Halbschwester Regine, wobei Judith Engel fast wie eine zweite Mutter wirkt, die sich aber am Ende, nachdem sie von Osvalds Krankheit erfährt, von ihm abwendet und wie ihr Stiefvater Tischler Engstrand (schön knarzend Wolfgang Michael) auf die Erpressung Pastor Manders setzt. Die Auflösung einer düsteren Champagner-Party in der Alving-Gruft. Der weltmännische Traum, den man heute wohl kosmopolitisch nennen würde, geht kleinbürgerlich greinend und sehr pathetisch mit Hirnerweichung zu Grunde. Lange vergeblich rüttelt die Mama an der verschlossenen Tür. Das Regiekonzept, das gegen die Rückkehr von „mausetoten Anschauungen und Meinungen“ eigentlich patriarchales Denken über Generationen anprangern will, ist so am Ende höchstens noch unfreiwillig komisch.'' schreibt Stefan Bock am 9. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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