Kritik zubeach house
4.0/5
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Philipp Preuss´ bemerkenswerte Uraufführung eines Textes über Isolation und Sehnsüchte von Dorian Brunz
  · 04.10.20
''Fernando sucht Teilnehmer für ein "Rage" (Wut) genanntes Videoformat, bei dem sich zwei Menschen 15 Minuten lang vor laufender Kamera anschreien. Autor Brunz hat hier eine Parabel auf den neoliberalen und entmenschlichten Kapitalismus geschrieben. Die disfunktionale Familie Schmetterling vom Rand der Gesellschaft mit den Zwillingen und ihrer nur in der Vergangenheit lebenden Mutter kann an den Verheißungen der Konsumwelt nicht teilnehmen und wird gnadenlos aus der Verwertungsmühle wieder ausgespuckt. Das klingt nach biederem Sozialdrama mit alkoholkranker alleinerziehender Mutter im Plattenbau, wie man es aus dem jungen deutschen Kino kennt. Aber Autor Brunz und Regisseur Preuss umschiffen die Klischees gekonnt mit einer an Horvath oder Bukowski geschulten Kunstsprache und einer auch sehr künstlichen, abstrakten Bühnenwelt, die durch viel Licht- und Soundeinsatz noch verstärkt wird. Preuss lässt Julia Preuß und Felix Axel Preißler als Taylor und Ronny Schmetterling zunächst ihre Sätze an der Rampe trotzig hinrotzen. Sie tanzen ungelenk als Schattenrisse im Gegenlicht. Ihre Gesichter werden immer wieder mit Livekamera auf die Bühnenrückwand projiziert. Ein weiterer Verfremdungseffekt kommt dazu, wenn sich Preißler eine Tüte über den Kopf zieht und darauf das Gesicht von Preuß projiziert wird.

Einsam in ihrer Welt versunken sitzt Anna Keil als Frau Schmetterling im Inneren des in allen Farben leuchtenden Neonrörengestänges. Sie träumt von einer vergangenen Revolution und singt entrückt die spanische Version des ABBA-Hits Fernando. Die Nachbarin hat sich diesem Leben schon durch Sprung aus dem dritten Stock entzogen. Tilo Krügel gibt den zwielichtigen androgynen Videofilmer Fernando, der Taylor eine Versuchsparabel vom Sozialverhalten isolierten Kapuzineräffchen erzählt. Isoliert wirken hier alle ProtagonistInnen, was sich auch in ihren Worten widerspiegelt. Wiederholt werden die Sätze der einzelnen Figuren zu kleinen, fast melodischen Soundcollagen verschnitten. Einsamkeit ist eines der großen Themen dieses Stück. Die Inszenierung setzt das bildlich und darstellerisch treffend um. Das Beach House bleibt neonflackernde Illusion. Der Run nach dem Glück wird zum ewigen Kreislauf, was am Ende auch die Rückkehr zum Anfangsbild verdeutlichen soll.'' schreibt Stefan Bock am 4. Oktober 2020 auf EXTRA-KULTURA
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