3.0/5
Bewertungen: 2
Rezensionen: 2
Alle Kritiken ansehen.
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Politische Leidenschaft der "Gorki Power" ringt mit Abstands-Regeln
  · 16.09.20
Den Schmerz über das Grauen und die pathetische Anklage der politischen Verhältnisse verkörpert an diesem Abend vor allem die zweite Gorki-Frau, die sich als Newcomerin des Jahres 2014 mit einigen tollen Auftritten in die Berliner Theaterszene katapultierte: Cynthia Micas als Amal, eine Oberschichtstochter, die gegen ihren Vater (Oliver Kraushaar) und das Regime rebelliert, ist das leidenschaftliche Zentrum des Abends und kann endlich wieder ihre Stärken ausspielen, mit denen sie damals z.B. am Gorki in „Das Kohlhaas-Prinzip“ auffiel. In den vergangenen Jahren blieb sie am Residenztheater München und in ihrer ersten BE-Spielzeit oft blass.

Die geballte „Gorki Power“ von Grjasnowa/Micas ist hier jedoch mit einer starken Bremskraft konfrontiert: Roman-Adaptionen haben generell das Problem, dass sich die langen reflexiven und erzählerischen Passagen nur schwer in szenisches Spiel auflösen lassen. Erschwerend kommen nun noch die Corona-Abstands-Regeln ins Spiel.

Die beiden Erzählstränge des Romans über Amal und ihren Freund Youssef (Armin Wahedi) und über den Schönheitschirurgen Hammoudi (Schulze/Holonics), der seit Jahren in Paris lebte und in Damaskus eigentlich nur kurz seinen Pass verlängern wollte, aber in den Strudel des Bürgerkriegs hineingeriet, werden über weite Strecken als szenische Lesung vorgetragen, die immer wieder von kleinen, spielerischen Momenten aufgelockert werden. Eine zentrale Rolle spielt die drehbare Trennwand, auf der Assads Konterfei prangt und von der Kraushaar in den diversen Rollen der austauschbaren Schergen des Regimes seine Kommandos herabbrüllt oder in zynischer Überlegenheit feixt. Dieses Assad-Porträt wird von der rebellischen Generation mit Teufelshörnern verziert, mit weißer Farbe übermalt und schließlich in Stücke gerissen wird.

Weiterlesen
War die Kritik hilfreich?