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Hyperrealistische Fehlgeburt und verqualmte, hölzerne Soap
  · 15.09.20
Ohne Corona hätte die Theater-Inszenierung, die Regisseur Kornél Mundruczó und Autorin Kata Wéber im Dezember 2018 für das TR Warszawa erarbeitet haben, in der kommenden Woche ihre Deutschlandpremiere in der Jahrhunderthalle Bochum gehabt. Da die Ruhrtriennale frühzeitig abgesagt wurde, gab es nur einen Mitschnitt als Online-Angebot.

Das Stück, in dem das ungarische Paar autobiographische Erfahrungen aufarbeitet, zerfällt zu sehr in seine Einzelteile. Die ersten 30 Minuten sind ein hyperrrealistisches, drastisches Live-Video der Wehen einer Frau, die auf einer Hausgeburt besteht und ihr Kind verliert. Schnitt, Zeitsprung sechs Monate später: Die folgende Stunde schleppt sich als banale Soap dahin. Eine Familienfeier im Haus der Mutter des Paares, das die Fehlgeburt erlitten hat. Die Dialoge drehen sich um private Problemchen, die katholische Kirche in Polen und David Bowie schleppen sich zäh dahin: hölzern, verqualmt und altbacken.

Das Finale bildet die Konfrontation zwischen Tochter und Mutter, ihr Streitgespräch war die Keimzelle und erste Projektskizze für den Abend, der die Kurve nicht mehr bekommt. Schleierhaft, wie diese Produktion es schaffte, als beste polnische Inszenierung des vergangenen Jahres ausgezeichnet zu werden.

Mundruczó stellte vergangene Woche im Wettbewerb des Film-Festivals von Venedig eine Filmfassung von <Pieces of a woman> vor: die Handlung wurde von Warschau nach Boston und auf Englisch mit Stars wie Shia LaBoeuf gedreht. Vanessa Kirby wurde mit dem Silbernen Löwen als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, Netflix sicherte sich bereits die Rechte an dem Drama.
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