2.0/5
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Pop-feministisch
  · 13.09.20
''Nach kurzem Black kommen die Darstellerinnen alle in Hochzeitkostümen zurück und geben ein 5-köpfiges Damenkabarett mit den Texten von Stefanie Sargnagel, die mit frech-rotzigen Kolumnen, Statusmeldungen auf Facebook und Erfahrungserlebnissen aus einem Callcenter bekannt geworden ist. Und so versetzt Regisseurin Bihler ihre ziemlich überraschten fünf Iphigenien („Scheiße, was für eine Nacht!“) nicht in einen Artemis-Tempel, sondern in ein seelenlosen Callcenter, dem „Friedhof aller Träume“, wo sie („Iphigenie, was kann ich für sie tun?“) zumeist perverse Männeranrufe entgegen nehmen muss. Aber auch sarkastische Selbstbeschreibungen wie „Ich bin ein süßes Mädel mit einem kaputten Schädel“ oder Sprüche wie „Ich möchte eine Entspannungs-CD, auf der alte Frauen die Namen von Mehlspeisen aufsagen.“ gehören zum Vokabular der Sargnagel, die nach eigener Aussage auch gern mal Männer auf Facebook belästigt. Das ist natürlich eine satirische Umkehr der Praxis, wonach Männern dieser Art von Ton vorbehalten ist und Frauen sich nur für sie schön machen und ihren Körper optimieren. Ein paar dieser hochkomischen Partnersuchanzeigen werden hier vom Iphigenie-Chor zum Besten gegeben. Sargnagel karikiert in ihren Texten auch den Körper- und Fitness-Wahn („Ich möchte eine dickere Trainerin haben.“).

Das geht noch munter eine Stunde weiter, ohne wirklichen theatralen Zugewinn. Der Versuch, die Texte Sargnagels in den Dienst berechtigter feministischen Ideen zu stellen, erschöpft sich da schnell im Bühnenklamauk. Zum Thema Hobbys werden Gokarts auf die Bühne gefahren und bei der Aufstellung einer Liste der Lieblingsbücher der österreichische Jugendbuchautor Thomas Brezina (Tom Turbo und Die Knickerbocker-Bande) veräppelt. Politisch wird es, wenn ein Facebook-Eintrag Sargnagels zur Österreich-Wahl 2016 performt wird, in dem sie eine Mauer fordert mit einem blauen Präsidenten auf der einen Seite und einem grünen auf der anderen. Müsli gegen Knackwurst, Fahrrad gegen Panzer. Wenn es so einfach wäre. Zur Rechtsradikalisierung des Internets gibt es auch noch einen Schlusschor im Wasserbecken. Die Iphigenien bieten hier Heilung für Männer, die autoritärere Unterdrückung wollen und doch nur Geborgenheit bei Mama suchen. Vanessa Loibl steigt schließlich zum Bühnenhimmel auf, um beim Platzen Kot und Blut über die Erde zu schauern. „Ich bin Goethe.“ heißt das abschließende Fazit. Leider eine kleine Selbstüberschätzung.'' schreibt Stefan Bock am 13. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
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