3.0/5
Bewertungen: 2
Rezensionen: 2
Alle Kritiken ansehen.
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Recht deprimierend
  · 06.09.20
''Eine Geschichte, die sich kaum in 100 Minuten auf der Bühne erzählen lässt. Grjasnowa hat daher die Romanhandlung auch drastisch gekürzt und die Ereignisse gestrafft. Gestrichen sind viele Nebenpersonen und auch das Geheimnis um Amals russische Mutter und die heimliche Nebenfamilie des Vaters. Gespielt wird zunächst vor dem Eisernen Vorhang, auf dem schon beim Einlass eine Videoarbeit von Jonas Englert zu sehen ist. Symbolische Geschichtsstunde mit den bewegten Bildern eines Reigens vom Händeschütteln berühmter Staatsmänner mit globalen Interessen von Kaiser Wilhelm über Adolf Hitler bis zu den arabischen, amerikanischen und europäischen Politikgrößen der Nachkriegszeit. Die Kolonialgeschichte der arabischen Welt und insbesondere Syrien als Spielball der Mächte im Kalten Krieg würde einen weiteren Dokutheaterabend spielend ausfüllen. (...)

Sehr plakativ und mit Symbolen arbeitend wirkt auch die Inszenierung von Laura Linnenbaum. Einmal kommt es nach einem Einbruch von Geheimdienstleuten in Amals Wohnung bedingt durch die ständige Gewalt und Demütigungen des sich sicher wähnenden Regimes zum emotionalen Ausbruch, wobei die Plakatwand von allen abgerissen wird. Die gelegentlich starke Nähe der ProtagonistInnen im Roman ist schon coronabedingt kaum darstellbar. Auch Gräueltaten und die dramatische Flucht übers Mittelmeer, bei der das Schiff sinkt und Amal ein Baby von einer syrischen Mutter rettet und nun für ihr eigenes ausgibt, kann nur erzählt werden. Die Ausweglosigkeit, die aufgezwungene Flucht und das Nicht-Ankommen in einem fremden Land mit neuen Problemen bleiben theatralische Behauptung. Hammoudis Tod nach einem Bombenanschlag im Asylbewerberheim in der deutschen Provinz ist nur eine anonyme Zeitungsnotiz. Ein nicht nur angesichts der momentan unveränderten Situation in Syrien recht deprimierender und hoffnungsarmer Theaterabend.'' schreibt Stefan Bock am 6. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
War die Kritik hilfreich?