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Sieben plus eine Todsünden
  · 02.08.20
''Für beide Stücke, die ohne Pause in einander übergehen, haben Márton Àgh und der Regisseur drei realistisch ausgestattete Räume auf zwei Ebenen gebaut. Mehr Aufwand, als unbedingt nötig.

Den eigentlichen Höhepunkt des Abends aber liefert die Musik, die sich durchaus an der Dreigroschenoper und an Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, an das sie stellenweise stark anklingt, messen lässt. Die Österreicher HK Gruber, der sich seit langem gewissenhaft mit Kurt Weill beschäftigt, und der Jazzer, Dirigent und Komponist Christian Muthspiel haben 2019 eine reduktionistische (und also auch in kleineren Theatern aufführbare) Fassung der Partitur für 15 Spieler hergestellt, die in Freiburg uraufgeführt wurde. Der schlanke Klang schadet dem Stück nicht im geringsten, zumal er den charakteristischen Weill-Sound beibehält. Ektoras Tartanis dirigiert das Philharmonische Orchester Freiburg mit Schwung und Konzentration, Inga Schäfer ist eine vorzügliche, im Vergleich zu Interpreten wie Marianne Faithfull oder Peaches geradezu „opernhafte“ Anna 1, die 1933 von Lotte Lenya dargestellt wurde, und die Herren Roberto Gionfriddo, Jin Seok Lee, Junbum Lee und John Carpenter, wie Inga Schäfer zum hauseigenen Ensemble gehörend, geben Annas schamlose Familie in satirisch stilisierter Darstellung sängerisch durchweg erfreulich.

Am Schluss, nach dem Ende von Kata Wébers Motherland, produziert sich das domestizierte Kind als die Tänzerin, die dem Ballett abhanden gekommen ist. Inga Schäfer singt, a cappella, den Anfang der Sieben Todsünden. Das letzte Wort gehört Weill und Brecht. Gut so.'' schreibt Thomas Rothschild am 17. Juli 2020 auf KULTURA-EXTRA
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