Kritik zuMoby Dick
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Wasserschlachten, Mansplaining und leise Töne
  · 25.06.20
Der knapp 2,5stündige Abend lebt von der Energie und Spielfreude seines Ensembles: Nunes und seine diesmal rein männliche Crew choreographierten pralle Action-Szenen voller Humor, Körperlichkeit und Action und schuf ein Theaterfest, wie wir es in kargen, von Abstandsregeln geprägten Corona-Zeiten vermutlich noch eine ganze Zeit lang nicht mehr erleben dürfen. Sebastian Zimmler, Mirco Kreibich, Daniel Lommatzsch, Thomas Niehaus und Jörg Pohl folgen Nunes von der Alster nach Basel, letzterer sogar als Co-Intendant, und werfen sich nicht nur in Wasserschlachten, sondern auch in pantomimische Kämpfe mit dem Wal und gewagte Schiffsmanöver.

„Moby Dick“ überdauerte aber auch deshalb die Jahre, weil Nunes hier zeigt, dass er auch ganz anders kann: nicht nur hochtouriges Theater, manchmal haarscharf am Kindergeburtstag, sondern auch leise, poetische, nachdenkliche Töne. Die erste halbe Stunde besteht nur aus einer Aneinanderreihung kleiner Soli: mal düster-melancholisch, mal exzentrisches Mansplaining. Jörg Pohl nimmt die langen Wikipedia-artigen Exkurse aus dem Roman-Klassiker aufs Korn, in denen sich Herman Melville in langatmigen Ausführungen über alles, was wir noch nie über Walfang wissen wollten, erging. Satirisch arbeiteten sich daran auch Anita Vulesica und ihre HfS Ernst Busch-Studentinnen in ihrer „Moby Dick“-Adaption im 3. Stock der Volksbühne 2019 ab.

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