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Sozial-Revolutonärer Aufbruch der Ära Stein
  · 22.05.20
Peter Stein und seine beiden Co-Regisseure Wolfgang Schwiedrzik / Frank-Patrick Steckel übernahmen 1970 die Schaubühne am Halleschen Ufer, die anderthalb Jahrzehnte lang die west-deutsche Theaterszene dominierte. Beseelt vom revolutionären Elan der 1968er Studenten-Proteste träumten sie von einer gerechteren Gesellschaft und erprobten an ihrem Haus Mitbestimmungs-Modelle.

Auch wenn sie diese gesellschaftspolitischen Experimente einer neuen Theater-Praxis schnell wieder aufgaben und die Ära Peter Stein im Rückblick vor allem mit elegischen Tschechow-Inszenierungen und klassisch-psychologisches Literaturtheater verbunden ist, war „Die Mutter“ von 1970 ein wichtiger Meilenstein und im kommenden Jahr gleich zum Theatertreffen eingeladen.

Betont distanziert sitzen die Spieler*innen zu Beginn am Küchentisch und lesen die ersten Passagen des Textes. Als die Handlung einsetzt, ist die Titelfigur zunächst eine ängstliche Bedenkenträgerin. Von der Wucht der Ereignisse überrollt, von den jungen Sozialrevolutionär*innen getrieben, stellt sie Fragen und versucht, sich am Bewährten festzuklammern.

Brechts Lehrstück zeigt eindrucksvoll die Entwicklung, die Pelagea Wlassowa, Arbeiterin und Mutter, durchmacht. Ihre Fragen werden weniger naiv, sie durchblickt die Zusammenhänge und ist schließlich eine kämpferische Genossin, die am Ende die rote Fahne schwenkt und für ihre Überzeugung eintritt. Diese Figur war eine Paraderolle für Therese Giehse.

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