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Videokonferenz im Internet
  · 05.04.20
''Seine Not mit der Isolation hat auch Kafkas Romanfigur, der Landvermesser K., der als Fremder in ein Dorf kommt und sein Ziel, das Schloss, wo er seine Auftraggeber wähnt, nicht erreichen kann. Ein typisches Kafka-Sujet, das der momentanen Situation vieler im Homeoffice oder in Quarantäne Befindlicher sehr nahe kommt. So sitzt man dann auch allein vor dem Bildschirm und schaut zunächst auf die leeren Sitze im Zuschauerraum, bis Musiker Kornelius Heidebrecht auf dem Klavier zu spielen beginnt. Eine melancholische Melodie, die gut zum winterlichen Hintergrund mit andauerndem Schneetreiben passt.

Davor öffnen sich dann nach und nach weitere Videofenster, in denen K. (Felix Axel Preißler) mit Pelzkragen und andere Romanfiguren auftauchen und Kafkas Texte sprechen, die sich um die Ankunft des Landvermessers im Dorf drehen. Auch das Internet ist ja so eine Art globales Dorf, in dem man nicht überall Zugang erhält und sich auch mal recht verloren vorkommen kann. Hier erscheinen immer wieder handelnde Figuren, wie die beiden Gehilfen, der Dorfsekretär, Hr. Klamm, Frieda oder Barnabas, der Bote des Schlosses schemenhaft oder mit animierten Masken überblendet in den parallel geschalteten Videofenstern auf.

Das wirkt fürs erste noch etwas provisorisch und wackelig, die Ästhetik der kleinen Videospielerei ist aber durchaus ansprechend gemacht und vermittelt auch ganz gut das kafkaeske Feeling, dem man sich nun in den nächsten drei Folgen weiter hingeben kann.'' schreibt Stefan Bock am 5. April 2020 auf KULTURA-EXTRA
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