Kritik zuDon Carlo
4.0/5
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hier regiert umwerfendes charisma in stimme und klang
  · 08.06.17
mit „don carlo“ in der staatsoper begann vor jahren frollainwunders abenteuerreise in die opernwelt. dreieinhalb stunden überklassiker mit einer atempause lagen vor mir. und oft hielt ich ihn kurz an, weil die inszenierung so faszinierte. auch don carlo 2017, nun zum zweiten mal, und wieder voller neugier, wie es sich denn nun anfühlt, war ein erlebnis der opern-edelklasse. verdi und wagner wurden beide 1813 geboren und zu ebenbürtigen elite-komponisten. was wagner wuchtet, voluminiert verdi. wo puccini schmilzt, befindet man sich bei verdi auf der titanic des in die knie zwingenden dramas. rené pape war erneut als dons vater besetzt und nahm erst spät die bühne ein. sein sonorer bass ist durchdringende macht, die königliche seele erhaben. der kugelige tenor fabio sartori wurde leidenschaftlich zum titelgebenden don und gab dem kämpfenden sohn ein sanftes und tapferes wesen. die verräterische eboli interpretierte die blonde gazelle und mezzosopranistin marina prudenskaya quälend überwältigend. die brünette sopranistin lianna haroutounian durfte die sinnlich verzweifelte französin elisabeth sein, die den großmutigen sohn liebt und dem dominanten vater gehört. stolze spanier, depressive damen. mikhail kazakov ist ein kaltes unheimliches gesicht der kirche und hat als großinquisitor in dem kolossalen machtwerk das letzte grausame wort. schiller untersuchte in „don carlos“ die untiefen einer machtbesessenen königsfamilie, die zwänge der politik, die gier nach einfluss, die unterwerfung durch die kirche, grausam- und bitterkeiten, tod, tod der liebe. philipp himmelmann schaut in seiner inszenierung eher in die hölle der menschlichen seele hinab, baut den abend in eine ausdrucksstarke schwarz-weiße kulisse ein und lässt später die folteropfer nackt und elend und an den füßen von der decke hängen. ein bild, das brennt.
verdi zu hören berauscht, jede einzelne stimme der perfekt besetzten rollen berauscht, der abend hat einen machtvollen sog. eine inszenierung, die den wahnsinn untersucht und wahnsinnig edel strotzt.
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