Kritik zuExtrawurst
4.0/5
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Spieglein, Spieglein an der Wand...
  · 17.02.20
…ich habe mein Gesicht erkannt. So oder ähnlich könnte man resümieren, wenn man sich das großartige Theaterstück „Extrawurst“ angesehen hat. Ein Tennisverein beschließt auf seiner Mitgliederversammlung die Anschaffung eines neuen Vereinsgrills. Ein harmloses Unterfangen könnte man meinen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Frage aufkommt, ob man nicht für Muslime einen zweiten Grill bräuchte. Was eigentlich keine große Sache ist, dynamisiert sich durch ein exzellentes Wortmatch und fünf wunderbare Darsteller. Der Zuschauer folgt gespannt den Dialogen und tief im Inneren ergreift er selbstverständlich Partei für denjenigen, der „seine“ Meinung vertritt, denn jeder der fünf Vereinsmitglieder hat natürlich seine eigene Auffassung von Integration, Toleranz, und Akzeptanz. „Extrawurst“ ist eine intelligente, politische Komödie, während der jedem Besucher subtil der Spiegel vor das Gesicht gehalten wird. Am Ende muss man sich fragen, ob die eigene Auffassung wirklich die wahre und richtige ist, oder ob man sich nicht vom Strom der Gesellschaft mit all ihrer Spießigkeit hat mitreißen lassen. Diesen sensiblen Stoff aus der Feder von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob in eine unterhaltsame Komödie zu packen ist eine Meisterleistung des Regisseurs Guntbert Warns. Mit perfekten Übertreibungen machen die großartigen Protagonisten Simone Thomalla, Christoph M. Ohrt, Felix von Manteuffel, Hans Czypionka und Atheer Adel sehr lehrreich klar, in jedem steckt etwas von jedem. Welcher Typus Mensch man sein will muss jeder für sich selbst entscheiden, doch am Ende bleibt die Chance, es besser zu machen, „andere“ Menschen zu akzeptieren, tolerant zu sein, ohne sich als das Maß aller Dinge zu sehen. Am Ende sind wir alle individuelle Wesen und jeder hat das Recht so zu leben, zu glauben und zu lieben, wie er selbst es für richtig hält und jeder hat die Pflicht, jedem dieses – sein – Recht einzuräumen. „Extrawurst“ hat mich begeistert, die hervorragenden Schauspieler, die tolle Bühne und ein Drehbuch, das einerseits sehr lustig umgesetzt wurde und doch zum Nachdenken zwingt. Es ist ein Stück, das man gesehen haben sollte und sehr zu empfehlen ist.
Tom Mikow
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