Kritik zuBoris
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Der russische Zar und das 20. Jahrhundert
  · 03.02.20
''So anfechtbar die Inszenierung ist, so hervorragend ist die Interpretation sowohl durch die Solisten, wie auch durch den Chor und das Orchester unter dem differenzierenden Dirigat von Titus Engel. Hervorgehoben seien die Bässe Goran Jurić als Pimen und Adam Palka in der Titelrolle, deren Furcht, deren Gefühl des Gejagtwerdens, deren Schuldbewusstsein er mehr mit dem Gesang als schauspielerisch gestaltet, Matthias Klink als Schuiski, Stine Marie Fischer in der Doppelrolle der Schenkwirtin und der Frau des Kollaborateurs und Petr Nekoranec als der Gottesnarr, der, in der für Stuttgart gewählten Urfassung von 1969 (ohne den Polen-Akt) um den effektvollen Auftritt kurz vor dem Schluss gebracht, für einen Höhepunkt der Aufführung sorgt. Die Kinder, die ihn quälen, sehen aus wie puppenartige alte Frauen in Trachten. Sie strangulieren den „Blödsinnigen“, und die Musik bestätigt diese Grausamkeit.

BORIS ist ein ambitioniertes Projekt gegenwärtiger Musiktheaterpraxis. Die Stuttgarter Oper hat (einmal mehr) ein umfangreiches Programmheft erstellt, in dem die Macher ihre Absichten erläutern. Fragt sich, ob sie jene ins Unrecht setzen, die, ohne vorherige Lektüre, die Premiere mit lautstarken Buhs quittierten. Die Qualität eines Opernabends bewährt sich auf der Bühne, nicht in Kommentaren. Die Schreibweise der russischen Namen wurde jener des Programmhefts angeglichen.'' schreibt Thomas Rothschild am 3. Februar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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