2.7/5
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Gut, dass wir mal drüber gesungen haben
  · 27.01.20
''Ein Abend „zwischen Reflexion und Quatsch“ soll es laut Conférencier Jürgen Kuttner sein, wobei der Quatsch in Form eines Zitate-Hütchenspiels oder vor Bluescreen gefilmten Musikvideos, in dem Božidar Kocevski zum abstürzenden „Bundesadler“ aus dem gleichnamigen Song von Funny van Dannen wird, ziemlich überhandnimmt. Provozieren sollen ein Vortrag von Peter René Lüdicke als britischer Historiker James Hawes, der davon referiert, dass alles Schlechte in der deutschen Geschichte aus dem Osten kommt, und Kuttner, der mit Erich Honeckers letzter Rede von Siegerjustiz, einem Europa der Reichen und der DDR als gescheitertem Experiment spricht. Auch Günter Gaus hat es mit einer Einschätzung der Ideologie des Kapitalismus, nach der jeder seines Glückes Schmied ist, in diese bunte Nummernrevue geschafft, in der außerdem aus den bitteren Tagebüchern von Michael Eberth, dem aus dem Westen an das Deutsche Theater gekommenen Chefdramaturgen der Nachwende-Intendanz von Thomas Langhoff, mit dem sarkastisch anmutenden Titel Einheit zitiert wird. Ein Musterbeispiel für ein ziemlich tragisches Ost-West-Missverständnis.

Musikalisch schwelgt der Abend mit der Westernhagen-Parodie „Ich bin froh, dass ich kein Ostler bin“ und Funny van Dannens Als Willy Brandt Bundeskanzler war zwischen Klamauk und Nostalgie. Auch der Ostschlager kommt in einem bunten Medley der Ost-West-Melodien, live gespielt von Matthias Trippner und dem gut aufgelegten Ensemble gesungen, nicht zu kurz. Maren Eggert setzt den Schlusspunkt mit der deutschen Version des Abba-Songs Der Sieger hat die Wahl. Doch auch das kann letztendlich nicht wirklich überzeugen. Aber gut, dass wir mal drüber gesungen haben.'' schreibt Stefan Bock am 27. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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