2.0/5
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Kein Klischee wird ausgelassen
  · 20.01.20
''Die Inszenierung bleibt im Gestern. Blumentapete, Schleiflackmöbel, Polaroidkamera, Kassettenrekorder. Die Ossis tragen lackbraune Kleidung, die Wessis schicke graue Anzüge, die Ossis trinken Flaschenbier, die Wessis Rotwein. Nostalgie pur, kein Klischee wird ausgelassen, alle Themen und Debatten, Phrasen und Parolen der Wendezeit auf Volkshochschulniveau wiedergekäut. Warum die Mangelwirtschaft der DDR schief lief und wie ein Spitzel arbeitete, wie eng Staat und Gewerkschaft verflochten waren. Honecker-Witze werden gerissen, die DDR-Hymne ertönt, Opa hörte alte Ulbrecht-Reden. Karat und Phudys erklingen. Und West-Autor Steinheim saugt alles gierig auf, als würden neue Weisheiten verkündet. Doch der Erkenntnis- und Unterhaltungswert legt in Wahrheit bei Null.

Die Darsteller geben sich alle Mühe, kommen aber übers Klischee nicht hinaus. Jon-Kaare Koppe gibt den arbeitslosen Benno Grimm als sympathischen Loser mit Berliner Schnauze. Kristin Muthwill ist als Trude Grimm von zupackender Gradlinigkeit. Joachim Berger gibt einen bärbeißigen und bauernschlauen Alten. David Hörning einen aufrichtig netten Sohn. René Schwittay glüht als Schriftsteller und Drehbuchautor vor Eifer und Wahrheitsliebe. Andreas Spaniol bolz kabarettreif alte Parteisekretäre und ausgemusterte Stasi-Spitzel auf die Bühne. Manchmal ist das ganz lustig, aber eigentlich hat man alles schon 1000 Mal gesehen und gehört. Es ist keine gute Idee, eine alte Fernseh-Serie, die übers Fernsehen nachdenkt, nach 25 Jahren noch einmal für das Theater zu recyceln.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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