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Behutsam abgestaubt
  · 20.01.20
''Das Geschehen um die Verwechslung bei der Einlieferung Ellwoods in die Klinik entwickelt sich zunächst noch etwas betulich. Veta wird nach ihrer recht weitschweifig und hysterisch vorgetragenen Schilderung der Eigenarten ihres Bruders und seines imaginären Freunds fälschlich vom übereifrigen Assistenzarzt Dr. Lyman Sanderson (Julius Forster) eingewiesen. Nach Aufklärung des Irrtums will sie die Klinik von Dr. Chumley mittels des steifen Familienanwalts Omar Gaffney (Dirk Lange) verklagen. Alles ist auf der Suche nach dem mittlerweile verschwundenen Elwood, der immer wieder durch seine vollkommen echte Liebenswürdigkeit imponiert und damit sogar bei der versnobten Ehefrau von Dr. Chumley (Anne Cathrin Buhtz) punkten kann. Nebenbei führt Elwood auch noch zwei grundgegensätzliche Paare wie Oberschwester Ruth (Julia Berke) und Dr. Sandersons sowie Myrtle Mae und den prolligen Anstaltspfleger Marvin (Thomas Braungardt) zusammen.

Nach der Pause nehmen Story und Inszenierung etwas mehr Fahrt auf. Es blitzt und donnert, Türen gehen wie von Geisterhand auf und zu. Licht- und Schattenspiele tun ihr übriges. Allein Harvey will nicht erscheinen, obwohl Dr. Chumley bei nächtlicher Sauftour mit Elwood bereits Bekanntschaft mit dem Hasen gemacht hat. Dieser sogenannte „Puka“, ein Geist in Tiergestalt aus der irischen Sagenwelt, kann in die Zukunft schauen, die Zeit anhalten und denen, die ihn sehen, ihre sehnlichsten Wünsche erfüllen. Dient also nicht nur als imaginärer Freund aus Kindertagen, sondern wirkt als freundlicher Geist der Toleranz und Mitmenschlichkeit. Dass Elwood der bleibt, der er ist und auch noch der Rest der Bagage zum Guten bekehrt wird, ist die Pointe dieses mit seinem naiv anmutenden Ende heute doch etwas antiquiert wirkenden Stücks, das Enrico Lübbe ganz behutsam abgestaubt hat.'' schreibt Stefan Bock am 19. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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