Kritik zuBALLET BC
5.0/5
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Einmal aus der Reihe tanzen
  · 14.01.20
''Die erste Vorführung des Abends, Bedroom Folk, schuf die 49jährige, israelische Tänzerin und Choreographin Sharon Eyal zusammen mit ihrem künstlerischen Partner Gai Behar. Zu tranceartigen House-Beats vom Soundkünstler Ori Lichtik bewegen sich etwa ein Dutzend Tänzer synchron in einer einzigen Schar. Mit verlangsamten, kleinen Gesten schaffen sie eine eindrückliche Bewegungseinheit. Doch alsbald tanzt zu den hypnotischen Rhythmen in der engen Formation ein Tänzer aus der Reihe. Er bewegt sich kurz gegenläufig zur Gruppe, ordnet sich alsbald wieder ein, nur damit der oder die Nächste dann markant aus der Reihe tanzen kann. Gepflegtes Trippeln wechselt mit Marschschritten, das Tempo zieht an, Solisten wie Justin Rapaport oder Scott Fowler stechen präzise und charismatisch mit unterschiedlichen Positionen, Sprüngen oder konzentrierten Drehbewegungen während des 26minütigen Stückes hervor.

Eine ausdrucksstarke Sogwirkung löst auch das zweite Stück, Busk, der kanadischen Choreographin Aszure Barton aus. Busk bezieht sich auf das spanische Wort „buscar“, Deutsch für "suchen". Zigeunermusik von Ljova und der Kontraband wird von dramatischen Chorgesängen unterbrochen. Eingeleitet wird die 25minütige Performance durch ein langes, akrobatisches und fein ausbalanciertes Solo von Justin Rapaport – sehr ausdrucksstark. Abgelöst wird die vielversprechende Einlage durch episodisch sich mal steigernden und mal verlangsamenden Gruppentanz. Die schwarz gekleideten Tänzer bewegen sich in komplexen Strukturen und Einheiten im Kollektiv. Wenn die Tänzer gemeinsam ihre Zähne blecken, wirkt das mitunter recht schwarzhumorig. Dann erscheint die Performance auch düster, so wird lebhaft eine Fragilität des Menschseins ausgedrückt.

Die letzte Choreographie des Abends, Solo Echo, ist von der kanadischen Balletttänzerin und Choreographin Crystal Pite. Die Künstlerin wurde zu ihrer Arbeit von zwei Brahms-Sonaten für das Cello und dem Gedicht Lines for Winter von Mark Strand inspiriert, die von Band wiedergegeben werden. Vor dunkel ausgeleuchtetem Bühnenhintergrund fällt durchgehend leuchtender Bühnenschnee. Das Stück beginnt mit Paartanz und schnellen Richtungswechseln. Neben der Zugehörigkeit wird im steten Bewegungsfluss bald jedoch auch mögliche Einsamkeit ausgelotet. Melancholisch handeln die Tanzszenen von dem Einzelnen und der Gruppe, von Verlust und Vertrautheit, Abgrenzung und Sehnsucht. Wenn Männer eng mit Männern tanzen, drücken ihre Bewegungen bald auch Aggression und Dominanzwillen aus. Bewegungsmuster erinnern hier an asiatische Kampfkunst.'' schreibt Ansgar Skoda am 14. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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