3.7/5
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Herbei all ihr Gläubiger
  · 08.01.20
Es war bestimmt eine reizvolle Aufgabe, die weltumspannende Story vom größten Bankenskandal der jüngeren Geschichte auf die kleine Vagantenbühne in Berlin-Charlottenburg zu hieven. Das Ergebnis ist auf jeden Fall höchst sehenswert, auch wenns einen unterwegs gelegentlich gruselt. 
Das Szenario stammt aus dem Jahre 2013 vom vielfach preisgekrönten italienischen Gegenwartsdramatiker Stefano Massini, der heute Berater am Mailänder Piccolo Teatro ist.  Die Szenenfolge hangelt sich an der Familiengeschichte bayerischer Auswanderer entlang, die einen Neustart im gelobten Land der unbegrenzten Möglichkeiten wagen.  Aus Heyum Lehmann, dem Sohn eines jüdischen Viehhändlers, wird 1844 in Alabama Henry Lehman, der ein kleines Stoffgeschäft in Montgomery eröffnet. Der atemberaubende Aufstieg führt von dort über die Gründung einer eigenen Bank bis in die Gipfellage der New Yorker Finanzwelt - und hinein in einen Absturz, der 2008 nicht nur bei internationalen Finanztrusts den Herzschlag stocken ließ. 
Das Stück ist kein Krimi, kein Finanzkrimi und auch kein gesellschaftskritisches Scherbengericht. Regisseur Lars Georg Vogel, seit neuestem auch Leiter der  Vagantenbühne, der die vorliegende Bühnenfassung selbst bearbeitet hat, bietet stattdessen  eine erzählende Szenenfolge vom Werdegang einer einst renommierten Bankdynastie. Hierzu steht ihm ein virtuos agierendes Ensemble zur Verfügung, dessen individuelle Gestaltungsleistung und fabelhafte Textsicherheit grosses Lob verdienen. Die kleine Bühne ist mit spartanischer Einfachheit gestaltet. Im Geviert abgehängte Papierbahnen grenzen ab und sind zugleich Projektionsflächen für einfallsreiche Videos, die sich einmal sogar auf einem  Anzugsakko abbilden lassen (Stella Schimmele).
Statt akribischer Nachforschungen über das Finanzgebaren von Lehman Brothers wird vielmehr die Familienhistorie aufgeblättert,beginnend mit Henry Lehman (Urs Stämpfli), Emanuel Lehman (Andreas Klopp) und Mayer Lehman(wunderbar wandlungsfähig: Joachim Villegas). Stella Schimmele steuert einfühlsam und gut sichtbar von der Seite die Videoprojektionen bei. 
Vom Erfolgsrezept der Lehmann Brothers erfährt man lediglich, dass sie die boomenden Industrien der USA mit feinem Spürsinn genutzt haben. Am Anfang war's einfach Kaufen und Verkaufen, erst in Baumwolle, dann in Kaffee, schließlich in Verkehrsmitteln und Kriegsgerät. Die unterwegs gegründete Bank floriert in ungeahntem Maße, gibt Kredite für alle möglichen Wachstumsfelder, und die Lehmann-Söhne und Enkel profitieren. Einen ersten Dämpfer bekommt die Erfolgsgeschichte im Börsencrash von 1929. Aber nach erneuter Erholung läßt sich der Depressionsbazillus nicht gänzlich abschütteln. Immer komplexer und abstrakter wird das Geschäft, bis schließlich die ganze Blase in den Strudel des Niedergangs gezogen wird. Die drei Hauptdarsteller demonstrieren diese Schlußphase mit einem wirbelnden Tanz, und im Hinauslaufen rafft jeder noch rasch, was er greifen kann.
Begeisterter Applaus vom Premierenpublikum für einen fantasievollen, fesselnden Abend mit bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen.

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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