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Krankheit als Fluch(t)
  · 04.01.20
''Daniel Stock strauchelt als Argan zu Beginn übertrieben gekrümmt mit einem Nachttopf über die Bühne. Zur rechten und linken Seite befinden sich weiße Türen und einige Desinfektionsspender, an denen sich die Figuren vielfach bedienen (Bühne: Martin Miotk). Grüne Plastikstreifen decken einen nichtsichtbaren Bühnenbereich ab. Im Bühnenzentrum befindet sich eine klinisch weiße Fußgängerbrücke. Darunter liegen blaue Matten, auf die Argan bald liebevoll künstliche Seerosen platziert. Hier dient auch bald ein kleines Ruderboot den Figuren als Sammelpunkt.

Es ist herrlich, wie Stock als Argan an seinen Zweifeln, seinen Unsicherheiten und seiner Einbildung schier bis ins Unermessliche leidet. Übertrieben stellt er die anrührende Verzweiflung seiner Figur dar. Argan ist anfällig für irrationale Heilsversprechen, begibt sich in Spülungen und therapeutische Verordnungen. Er entwickelt nahezu einen Stolz auf die eigene Schwäche, Last und Empfindlichkeit. Stock stellt die Lächerlichkeit seiner Figur aus, die bald durch eine übertrieben große Fellmütze als Accessoire unterstrichen wird, ohne dass ihr Träger je aus der Rolle zu fallen droht. (...)

Der zeitlose Stoff lädt pointiert mit vielen Gags zum Schmunzeln ein. Liebevoll überzeichnete Figuren agieren mit großen Gesten und übersteigerten Rollenticks. Neben karikierenden Kostümen bedient sich Simone Blattners Inszenierung zuweilen auch eines überspitzten medizinischen Fachjargons, wenn beispielsweise durch Toinette die „anale Phase“ nach Freud aufgeworfen wird. Bisweilen eröffnet so eine recht flache und augenscheinliche Figurenkonstellation einen theatralen Spannungsraum mit ganz neuen Fallhöhen.'' schreibt Ansgar Skoda am 4. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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