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Ergreifend
  · 04.12.19
'Da wurde das DDR-Volkseigentum nicht etwa dem Volk zugängig gemacht, sondern einfach privatisiert. Die DDR-Bürger hatten nicht die Mittel um gleichberechtigt mitzubieten und so gelangte ein Großteil der Betriebe und Grundstücke in West-Hand. "Kolonisierung" nannte das der Schriftsteller Wolfgang Hilbig in einer Rede 1997, die Corinna Harfouch und Alexander Scheer ausführlich zitierten, ebenso einen Dialog aus dem Stück "Wessis in Weimar" von Rolf Hochhuth, wo es genau darum geht: Der Westen hat die DDR aufgekauft. Die nicht verwirklichten Utopien von 1989 wirken als Phantomschmerz nach.

Dass der Abend trotzdem nicht in Melancholie erstickte, ist erstaunlich. Corinna Harfouch und Alexander Scheer gelang es, die Texte so vorzutragen, dass sie das Publikum nicht niederdrückten. Und Scheer hatte auch seine Gitarre dabei. Seit er im Film von Andreas Dresen den Liedermacher Gerhard Gundermann gespielt hat, singt er auch dessen Songs, und sie klingen bei ihm fast besser als im Original. Da ist von den Kämpfen des Alltags die Rede und von der Sehnsucht nach Ehrlichkeit. Wer von Gundermanns Stasi-Vergangenheit weiß, wird auch Zwischentöne hören – zum Beispiel im Song "Ich mache meinen Frieden", der ein paar Jahre nach der Wiedervereinigung herauskam. Alexander Scheer hat ihn mit seiner leicht kratzigen Diktion ungeheuer ergreifend gesungen. Da war sogar Corinna Harfouch, die ja oft cool und überlegen wirkt, sichtlich bewegt.'' schreibt Oliver Kranz auf rbbKultur
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