Kritik zuLa traviata
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Schöner sterben ohne Smartphone
  · 02.12.19
Vor und zwischen den vier Akten werde ich mit Synthesizerklängen, die versprengtes La traviata-Feeling transportieren sollen, zugerieselt. Die zwei großen Ball-Szenen sind "aktuell" in einer von Madeleine Boyd konzipierten leeren Fabrikhalle zu Beginn des industriellen Zeitalters verortet - ihre Heutigung wird dahingehend sicht- und auch erlebbar, dass man hier ein Großbordell, einen von zahlungskräftigen Kunden begehbaren Mega-Sexroom installierte; eine Reihe aufgestellter Flachbildschirme mit sich hinter ihnen (und vor Live-Cames) räkelnden Huren versinnbildlicht die neue Mode, der von Kunden beiderlei Geschlechts (mit Smartphones, die sie mit den Flachbildschirm-und-Live-Cames-Huren "echt" verbindet, ausgestattet) freizügig entsprochen wird; ihre Klamotten (Annemarie Woods) sehen nach Biedermeier aus, aber es könnten auch Verkleidungen für eine Sexparty 2019 sein.

Zwischen dem statisch oder mimisch mit sich selbst befassten Chor und den zwischen ihm hilf-/ziellos herum agierenden Protagonisten gibt es keinerlei oder so gut wie keine, jedenfalls nicht nachvollziehbar-spürbare Kontaktereien, anders ausgedrückt: Menschlicher Faktor, ob "im Einzelnen" oder ob "in der Gruppe" - Fehlanzeige. Sodurch wird die Vorführung der Kurtisane in der Öffentlichkeit zur Behauptung, findet letzten Endes in realo überhaupt nicht statt. Aber wozu dann La traviata inszenieren?'' schreibt Andre Sokolowski am 2. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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