4.0/5
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Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight Soldiers Moonsick)
  · 13.11.19
„Keine einzige geht alleine duschen. Ein Körper, acht Organe, die zusammen duschen, die zusammen essen, die zusammen schlafen, immer zusammen.“ heißt es in dem recht düsteren aber auch poetischen Text. Regisseurin Salzmann lässt die vier sich dann auch zu einem Gemeinschaftskörper verknäulen, der hier auch als Tier bezeichnet wird. Eine vielstimmige Klage über Missbrauch und Enteignung des eigenen Körpers durch physische und psychische Tortouren, denen sich die jungen Frauen nicht entziehen können und im Traum immer wieder auf verschiedenste Weise ihren Tod imaginieren. Zum Teil sehr explizit wird da Sivan Ben Yishai, wenn es um die verschiedenste Todesarten durch Kopfschuss nach Vergewaltigung, vertuschten Unfall bei Schießübungen oder eine Hinrichtung durch Erhängen nach einem Tribunal wegen des Verlusts der stets mitzuführenden Waffe geht.

Dagegen setzt Salzmann in ihrer sonst recht sparsamen Inszenierung die Rhythmik selbst gesampelter Sounds und Sätze, die über Mikrophon verzerrt eingesprochen und geloopt werden. Überhaupt spielt Musik eine große Rolle in Stück und Inszenierung. Zum Beispiel auch wenn in Rückblenden der Vater von der Armeezeit als die besten Tage seines Lebens erzählt und im Autoradio Popsongs wie Another Day In Paradise von Phil Collins oder We Are Family von Sister Sledge laufen, die wieder über den Ghettoblaster abgespielt werden und diese Art von heiler Welt der Kindheit doch trügerisch erscheinen lässt. Letztendlich dient auch eine durch Suizid gestorbene Soldatin als Märtyrerin, wenn auch die Matratzen von Selbstmördern nicht weiter genutzt werden. Der israelische Selbstverteidigungsmythos als patriarchales System überinstrumentalisierter Wehrhaftigkeit steht hier kritisch auf dem Prüfstand.'' schreibt Stefan Bock am 13. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
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