4.0/5
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Ein packender, drängender Theater-Abend
  · 12.11.19
''Sasha Marianna Salzmann inszeniert das Gewalt-Drama als absurden Alptraum, als Oratorium aus überdrehten Stimmen, schrillen Klängen, garstigen Liedern, klirrenden Geräuschen. Erst im Kopf des Zuschauers wird die Klang-Collage über den Krieg und seine Katastrophen zu einem Bild des Grauens, zu einem Bild, das wir auf der Bühne gar nicht sehen: denn auf der Bühne gibt es keine Zelte, kein Militärcamp, keine Gewehre, keinen Krieg, keinen Schlamm und keine Toten, sondern nur unzählige Stühle und Mikrofone und ein DJ-Pult, um all die Stimmen und Klänge zu sampeln, zu wiederholen, zu verzerren und in Endlosschleifen und Echo-Räumen verhallen zu lassen. Es gibt auch keine acht, sondern nur vier Frauen, sie tragen olivgrüne Militärjacken und weite weiße Röcke, um sich wie Derwische in Trance zu drehen und gedanklich ganz weit weg zu driften; es gibt keine Rollen und keine Figuren, sondern nur Stimmen aus dem Dunkel der Erinnerungen, Stimmen, die durcheinander und übereinander, miteinander und gegeneinander ertönen, Stimmen, die weinen und lachen, schreien und wispern, berichten und erzählen, was die Frauen im Krieg und im Camp erlebt haben, männlichen Hohn und sexuelle Belästigungen von Vorgesetzten, Hinrichtungen und grauenhaftes Morden bei Anti-Terror-Einsätzen, Stimmen, die davon erzählen, wie sie ihren eigenen Tod erlebt haben oder sich vorstellen, wie sie ihren Selbstmord, ihre Hinrichtung, ihre Vergewaltigung erlebt haben, Stimmen, die von Frauen im Krieg berichten, die sich behaupten und sich wehren und irgendwie überleben wollen.'' schreibt Frank Dietschreit auf rbbKultur
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