2.0/5
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5 von 11 Personen fanden die Kritik hilfreich
Am Baum der Erkenntnis hängen
  · 10.11.19
''Während der Text nach vorne weggesprochen oder auch geschrien wird, betreten die Darsteller und einige Statisten die Bühne. Das Erzählte wird manchmal gestisch und mimisch angedeutet, oft ist ein Zusammenhang zum vorgetragenen Text jedoch auch nicht erkennbar. Eine Unterscheidung und Zuordnung der sprachlosen Figuren fällt zudem anfangs schwer. Svenja Wasser gibt eine erschrockene und blasse Marquise, die von jungen, männlichen Statisten umringt und an den Baum gedrängt wird. Die Statisten filmen sie mit ihren Smartphones. Da schreitet Benjamin Berger als Graf F. ein und vertreibt sie. Die Marquise gleitet zu Boden. Er hebt sie hoch und hängt sie kopfüber um die Astgabelung. Später trägt er auch die fünf männlichen Statisten halbnackt auf die Bühne. Er begießt sie mit einer Flüssigkeit aus einem Benzinkanister und möchte ein Feuer entzünden. Doch da beginnt ein Kunstregen von der Bühnendecke. Später wird noch mit Wasserpistolen und anderen Flüssigkeiten geschossen. Einige Figuren sind mit Engelsflügeln ausgestattet. Die Marquise trägt zwei Plastikpuppen über die Bühne, die wohl ihre Kinder markieren sollen. Es gibt den einen oder anderen berührenden Moment, etwa wenn sich die Marquise selbst unter einem metallenen Baustellenzaun begräbt.

Doch die Wandlungen in den Intentionen der Figuren werden kaum deutlich. Da sie stumm agieren, haben die Darsteller nur eingeschränkte Chancen, ihre Charaktere zu entwickeln. Konflikte werden oftmals pantomimisch nur angedeutet. Es wird auf der Bühne viel geraucht und zu sphärischen Elektro-Klängen Theaterrauch verbreitet. Doch quälende zwei Stunden provokante Bilder grotesker Gewalt- und Familienszenen und lebendiger Textvortrag unbeteiligter Sprecher begründen noch lange kein nachhaltiges Theatererlebnis. Da Die Marquise von O. zur Standard-Schullektüre gehört, gibt es trotz der missglückten Adaptation für die nächsten Folgevorstellungen nur noch Restkarten.'' schreibt Ansgar Skoda am 9. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
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TheaterfreundEin Experiment bringt immer verschiedene Sichtweisen hervor, hier der General-Anzeiger Bonn über die Premiere:
"Gelungenes Experiment: Werktreue wird zum Ereignis Annina Euling und Sören Wunderlich verkörpern brillant Kleists widerständiges Satzgebilde aus Albtraum und unsäglicher Wirklichkeit. Das Stück ist kein Theaterstück, sondern ein erzählerisches Meisterwerk, das die Möglichkeit des wahrhaft Sagbaren auslotet. Die Inszenierung zeigt perfekt die Doppelbödigkeit des Textes, indem sie ihn einerseits in seiner kunstvollen Original-Sprachform präsentiert und andererseits mit sprachlosen Bühnenaktionen die Konflikte zuspitzt- die wortlos handelnden Figuren illustrieren nicht den gesprochenen Text, sondern dessen Widersprüche.
Im Taumel der existenziellen Sprachlosigkeit werden viele Möbel umgeworfen, zahlreiche Zigaretten geraucht, Pistolen geladen, Regen- und Nebelmaschine sowie Livekameras und Monitore eingesetzt und -bis zum glücklichen Ende- ein paar weiße und schwarze Federn gerupft." General-Anzeiger Bonn
Freitag 15.11. kommt MARQUISE VON O. zum zweiten Mal am Theater Bonn -in der Regie von Martin Nimz-AUSVERKAUFT-
vor 1 Jahr(e).AntwortenLink