Kritik zuPhiloktet
3.7/5
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Lehrstückhaftes Drama
  · 08.10.19
''Vertrauen und Misstrauen wechseln sich ständig und bilden so eine düstere Spannung und klaustrophobe Stimmung, die sich auch im Bühnenbild wiederspiegelt. Eine Eisenplatte mit Öffnungen, die erst den Boden bedeckt und dann wie eine Wand nach oben gezogen wird. Mit mehreren Livekameras werden die Protagonisten gefilmt und die Bilder auf die Metallwand übertragen. Das Reich des Philoktet befindet sich unter der Bühne, von wo ebenfalls die dortigen Spielszenen nach oben übertragen werden. Das ist neben etwas Laub und dem dazugehörigen Gerät, es lautstark wegzublasen, fast schon das einzige gestaltende Mittel der Inszenierung, die ansonsten rein durch die Mechanik des Blankvers-Textes überzeugt.

Auch fällt einem dazu der sicher überstrapazierte Begriff Werktreue ein. Nur dient die hier vor allem der Veranschaulichung politischer Prozesse, was Koohestani mit Müllers kantigem Lehrstück-Text auch bestens glückt. Der Regisseur fühlte sich an seine Heimat den Iran erinnert und wollte ein Stück über Ausgrenzung und Eingrenzung inszenieren, wie er in einem Interview verlauten ließ. Dazu braucht es dann auch kaum wirklich sichtbare Grenzen zwischen Systemkonformität und Abweichlertum. Zwischen denen verläuft auch unsichtbar die Linie, die moralische Bedenken von Pflicht und Lüge zum Erreichen des Ziels trennt. Auf der schlingert einzig Neoptolemos, der sich dann doch der Pflicht und den Lügen des Odysseus ergibt und den Philoktet, der am Ende den Bogen gegen Odysseus richtet, tötet. Alle sind sie Gefangene im Netz aus Lügen und Intrigen: „So weit sind wir gegangen in der Sache / Im Netz aus eignem und aus fremdem Schritt / Dass uns kein Weg herausgeht als der weitre“, wie es dazu bei Müller heißt. Bleibt nur zu sagen, dass nicht nur in Diktaturen die Staatsraison vor so mancher unbequemen Wahrheit den Vorrang genießt. Viel mehr an Aktualität braucht dieses düster konzentrierte Kammerspiel nicht.'' schreibt Stefan Bock am 8. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
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