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Am Staatsschauspiel Dresden stellt Armin Petras Brechts Antikriegsstück auf die schiebe Ebene
  · 28.09.19
''Inhaltlich bleibt die Inszenierung leicht gekürzt bei den vorgegebenen Bildern, lässt aber auch Raum für ironische Improvisationen, wovon vor allem Nadja Stübiger, die nach der Pause von Fanny Staffa vertreten wurde, profitieren kann. Die den einzelnen Bildern vorgestellten Ansagen kommen via Megafon vom Band. Stimmungen und Jahreszeiten erzeugt Petras mit auf die Bühne geschütteten Blättern und weißen Federflocken. In den Nebenfiguren überzeugt vor allem Maria Tomoiagă als stumme Tochter Kattrin. Sie wird auch in der Fassung des Stücks am koproduzierenden ungarischen Theater in Cluj zu sehen sein. Die weiteren Rollen will man dort neu besetzen. In Dresden werden die der Courage im Krieg zuerst abgehenden Kinder Eilif und Schweizer Kas von Yassin Trabelsi und David Kosel gespielt, der Koch von Matthias Reichwald und der Feldprediger von Philipp Lux.

Das ist über weite Strecken gutes Schauspielertheater, begleitet von den Musikern Michael Fuchs, Berthold Brauer, Lars Kutschke und Florian Lauer, die die Musik von Paul Dessau mal in Jazz mal in rockigeren Tönen spielen. Armin Petra versäumt es aber seiner Inszenierung einen wirklich zwingenden Interpretationsansatz zu geben, was Brechts klarer Antikriegstext vielleicht auch nicht zwingend fordert. Und so schnurren die Episoden recht routiniert mal ernst, mal etwas klamaukiger ab. Stark wird der Abend immer wieder in den Massenszenen mit dem Statistenchor und in den die Courage zu menschlichen Entscheidung nötigenden Szenen. Krieg und daraus resultierender materieller Vorteil stehen neben Menschlichkeit, die vor allem in der Person der traumatisierten Kattrin zu Tage tritt. Sie hat nach der Pause ihren großen Auftritt als rettende Trommlerin der bedrohten Stadt Halle. Ein donnerndes Klopfkonzert des ganzen Ensembles als letzte Mahnung. Zurück bleibt die Courage im Dilemma fortwährender Kriege. Emotional berührt einen das schon.'' schreibt Stefan Bock am 28. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
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