Kritik zuLiliom
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Toxische, ungebändigte Männlichkeit
  · 22.09.19
''Mundruczó kürzt die Vorlage recht stark, lässt Szenen in der Wohnung der Frau Hollunder (Sandra Flubacher, hier eigene Dada-Künstlerin), wo das Paar Liliom und Julie unterkommt, mit Live-Kamera aus dem Inneren übertragen. Wir sehen toxische Männlichkeit zwischen der Begehrlichkeit einer Frau Muskat (Oda Thormeyer) und den Versuchen von Julie den arbeits- und perspektivlosen Liliom zu bändigen. Das soll ihn aber nicht entschuldigen. Zur Buße wird ihm vor dem Himmelstor auferlegt, 100 mal „Ich bin Teil des repressiven Patriarchats“ an die Wand zu schreiben.

Dass dieser Mensch ein gewissen Bedrohungspotential ausstrahlt, will die Inszenierung mit kleinen Zwischenspielen verdeutlichen. Ansonsten schreckt Mundruczó auch nicht vor Albernheiten zurück, wenn er Liliom und Ficsur (Tilo Werner) in einem Pool planschen lässt. Doch auch ein Herz scheint dieser ungehobelte Klotz zu haben, auch wenn es erst nach etlichen Versuchen mit seiner Tochter, die hier von einer Darstellerin mit Downsyndrom gespielt wird, Seil zu springen schlägt. Ein vielschichtiger Theaterabend, der zwischen Witz und Poesie die Mitte sucht wie Liliom den Eingang zum Himmel, einem „Safe Space“, der für den ganz bewusst reuelosen Sünder unerreichbar scheint.'' schreibt Stefan Bock am 22. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
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