Kritik zuDer Boxer
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Düstere Romanadaption mit tänzerischen Passagen
  · 22.09.19
Das Publikum sitzt ganz nah dran am düsteren Geschehen auf der fast leeren Bühne. Aber auch eine so begabte junge Regisseurin wie Ewelina Marciniak tut sich sichtlich schwer, aus einem dicken Roman einen überzeugenden Theaterabend zu machen.

Die typischen, schon hundertfach erlebten Probleme, die sich dabei stellen, einen umfangreichen Roman mit all seinen erzählerischen Abschweifungen, essayistischen Passagen und Handlungssträngen in eine komprimierte Bühnen- und Spielfassung zu transformieren, machen auch Marciniak beim „Boxer“ zu schaffen.

Das Gewimmel der Romanfiguren macht es für roman-unkundige Zuschauer schwierig, die einzelnen Personen auseinanderzuhalten. Scharfe Konturen bekommen vor allem der Hauptdarsteller Shapiro (Zimmler) und seine Gegenspieler (Sven Schelker in einer Doppelrolle) sowie Ryfka mit einigen eindringlichen Monologen zur Gefahr des Antisemitismus. In dieser Rolle überzeugt Rosa Thormeyer bei ihrem ersten Auftritt im Thalia-Ensemble, mit Marciniak arbeitete sie bereits in Freiburg beim „Sommernachtstraum“ zusammen.

Der Hamburger Roman-Adaption fehlen der jugendliche Charme, der Witz und die Phantasie dieser Freiburger Komödien-Inszenierung. Dem „Boxer“ ist sichtlich anzumerken, dass auf dem Abend die schwere Last drückt, die wichtigsten Handlungsstränge in zwei Stunden abzubilden und die politisch-mahnende Botschaft zu transportieren.

Marciniak erlaubt sich und ihrem Ensemble wenige spielerische Momente. In diesen Passagen blitzt ihr Können auf: Vor allem im Mittelteil arbeitet sie mit unterschiedlichen Tanzstilen der 20er und frühen 30er Jahre. Der Charleston und ähnliche Schrittfolgen aus der Zeit, als die Weimarer Republik auf dem Vulkan tanzte, bauten Marciniak und ihre Choreographin Dominika Knapik gekonnt in den Abend ein. Auch die zentralen Boxkämpfe zwischen Schelker und Zimmler haben eine tänzelnde Leichtigkeit, in der angenehm wenig von toxischer Männlichkeit zu spüren ist.

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