2.0/5
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Mit der flachen Hand aufs Wasser geklatscht
  · 14.09.19
''Mag sein, dass ich da überempfindlich bin. Aber ich kann sie nicht mehr hören, die Mär vom achsoschweren Nachwendeleben im nahesten Osten, das insbesondere der Dorfjugend keine andere Wahl ließ außer zum Nazi-Schläger zu mutieren, weil der böse Staat das eigene Leben partout nicht organisieren wollte (zumindest so lange nicht, ehe man nicht im Knast gelandet war). Das Buch von Lukas Rietzschel, das dem Stück als Vorlage diente, fügt diesem Klagelied nur eine weitere Strophe hinzu (zumindest war auf der Bühne nicht mehr zu erkennen), angereichert um die zu jeder Zeit schwere Trennung der Eltern, die es zu verkraften gilt.

Aber in Summe bleibt mal wieder nicht viel mehr als eine erstaunliche Selbstüberhöhung der Leiden Ossi, ja geradezu die Glorifizierung der eigenen Probleme mit der wirtschaftlichen Entwicklung der blühenden Landschaften, wo es laut Onkel Kohl ja niemandem schlechter zu gehen hatte. Die Ärmlichkeit dieses Ansatzes wird schnell klar, wenn man das Geschehen mal in eine Plattenbausiedlung in Kosice, Slowakische Republik, verlagert. Die hatten auch eine Wende, wenn auch ohne Westverwandtschaft. Langfristig gesehen dürfte das die bessere Variante gewesen sein.

Man muss dieser Larmoyanz hier nicht zu viel Raum geben, dafür gibt es den MDR, der gerne mal das Große Fest des Selbstmitleids feiert. Aber Herrn Rietzschel, der im inhaltlich leider auch sonst übersichtlichen Programmheft die Absicht äußert, „den Westen mit Ostthemen zuzuschütten, bis er es endlich begriffen habe“, möchte ich gerne raten, seinen Blick geographisch und historisch zu weiten, bevor er seinen Kleinewelt-Schmerz weiter ins Universum heult.'' schreibt Sandro Zimmermann am 14. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
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