1.4/5
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Ein Schuss Ironie zu viel
  · 10.09.19
''Die ödeste Form einen Roman zu exekutieren besteht für Regisseur Panteleev vermutlich im szenischen Aneinanderreihen von Monologen oder auch mal einem lustigen Rhetorikkurs in Sachen Autodiebstahl. Zuerst wird die verhasste Arbeitswelt aufs Korn genommen, dann kommen die unter mangelnder Triebabfuhr leidenden IT-Spezialisten dran. Lisa Hrdina setzt sich während Finzis Monolog über den verminderten Heranwachsenden in der Adoleszenz eine Mikrowelle auf den Kopf, und auch Kathleen Morgeneyer darf sich kurz zum Affen machen. Übergroße Barbiepuppen scheint es momentan im Fundus-Sonderangebot zu geben (s. Baal im BE). Die am DT hat zumindest noch ein Kleid an, unter das der auf dem Gerüst turnende Finzi gerne schauen würde. So stellt man sich hier toxisch verblödete Männlichkeit vor. Den Pappkopf des Dauer-Misanthropen mit Heliumstimme gibt es oben drauf. Mit Riesenhänden wedelnd deklamiert Finzi Houellebecqs gedankliche Ausflüge zum IS und zur blutigen französischen Revolution. Eine Tirade auf Frauen in der Psychoanalyse oder ein Referat zum SCUM-Manifest von Valerie Solanas runden das fragwürdige Frauenbild ab.

Dass einen das mit zunehmender Dauer relativ kalt lässt, liegt nicht nur daran, dass sich die Regie die eigentlichen Probleme mit Ironie nett vom Hals hält, sondern auch daran, dass Houellebecq eigentlich schon lange kein wirklicher Aufreger mehr ist. Das Körnchen Wahrheit, das seine zynischen Gesellschaftsanalysen enthalten mögen, lächelt die dauerquatschende Inszenierung so auch noch weg.'' schreibt Stefan Bock am 10. September 2019 auf KULTURA-EXTRA
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