Kritik zuHerakles
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Slapstick in Pfützen ohne Fallhöhe
  · 03.07.19
Den Spieler*innen war beim Schlussapplaus die Freude darüber anzumerken, dass sie sich mal richtig austoben durften. 90 Minuten lang schlittern und rutschen sie über die Bühne des Volkstheaters, die Simon Solberg für seine „Herakles“-Erzählung unter Wasser gesetzt hat. Zum Finale nimmt Jakob Gessner noch mal richtig Anlauf und lässt sich gegen die Bande vor dem Zuschauerraum krachen.

Für Max Wagner, der seinem Kollegen wieder auf die Beine hilft, war dies die letzte von zahlreichen Taten, die er an diesem Abend als mythischer Held Herakles verrichten muss. Die Inszenierung kommt über weite Strecken nicht über eine Slapstick-Nummernrevue hinaus, wie beim Kindergeburtstag wird lustvoll gespritzt und geplantscht. Nur selten gelingen atmospärisch dichere Szenen wie beim Kampf gegen die Hydra, deren Köpfe und Fangarme von riesigen Plastikröhren symbolisiert werden, wie man sie von Klimaanlagen-Schläuchen kennt. Zu den besseren Momenten gehört auch der Kampf gegen den Höllenhund Zerberos: zu pathetischer Musik und düster kippt hier langsam die Stimmung.

Den plötzlichen Wandel des Abends zum Schmerzensbild eines laut „Nein“ schreienden, sich verzweifelt am Boden windenden, gestürzten Helden, der stellvertretend für das Schicksal der Menschen stehen soll, wie uns der Chor mit erhobenem Zeigefinger verkündet, konnte ich der Inszenierung jedoch nicht abnehmen. Die Fallhöhe war in der Pfützenlandschaft zu gering.

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