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Schorsch Kamerun beerdigte das Bauhaus als museale Institution
  · 23.06.19
''Dass man, um die Welt neu denken zu können, dieser erstmal abhandenkommen müsste, war wohl die schöne Quintessenz von Schorsch Kameruns Abend. Selbst beigesteuert hatte er dazu nette Elektropopklänge und Texte wie: "Was passt am besten um Menschen herum? Alles ganz grade, oder extra möglichst krumm?" Das war hier nicht nur eine Formfrage, sondern fast schon ein wenig philosophisch gedacht. Aber worin besteht nun der Unterschied, ob heutige Künstler oder die Politik einer in die Jahre gekommenen Institution gedenken, die sich, zu Beginn der Weimarer Republik in eben jenem Weimar gegründet, aufmachte Kunst und Form zu revolutionieren? Kamerun wollte nun nicht mal die damalige Idee dahinter retten, nach der ein Ding seine Funktion praktisch erfüllen sowie haltbar, billig und schön sein muss. Es soll nach Gropius seinem Zweck vollendet dienen. Einen Einblick in diese Philosophie der Form- und Stoffwahl gab die Schauspielerin Paula Kober anhand einer einfachen Kaffeetasse. Die "Arroganz der Form", die "Dummheit der Stoffwahl" sei alles nur "pures Blendwerk", wie es bei ihr hieß. Während man das hörte, sah man Schauspielstudierende und P14-Mitglieder in Fantasiekostümen mit Plastikzitronenbäumchen durchs Foyer prozessieren. (...)

Das war so grundsympathisch wie wirkungslos. Auch wenn am Ende auf der großen Bühne noch mal die Politiker mit ihren holen Phrasen bloß gestellt wurden, wenn Kamerun aus einer Debatte zur Vorbereitung des Jubiläums und der Beteiligung der Bundespolitik daran zitierte. Zuvor hatte er schon „den neuesten Gedanken droht Vorabendserie" geunkt. Statt um Innovation und Kreativität ging es um "Aktien und Effekte". Und Nanotechnologie sei Dank bekäme die Industrie durch implantierte Chips bald den direkten Zugriff auf unsere Konten, wusste der Innovationsmotivator Paul Herweg. Die Welt neu denken, im positiven Sinne, ist dann wohl doch nicht ganz so einfach.'' schreibt Stefan Bock am 23. Juni 2019 auf KULTURA-EXTRA
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