Kritik zuSchnee Weiss
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Jelinek-Suada gegen Missbrauch mit kryptischen Passagen
  · 30.05.19
Wer jemals ORF-Übertragungen von alpinen Skirennen gesehen hat, weiß, mit wie viel Herzblut und Chauvinismus die Kommentatoren ihre Athlet*innen anfeuern. Jelinek bezeichnet den alpinen Rennsport als eine „heilige Kuh“ ihrer Landsleute, die Uraufführungs-Regisseur Stefan Bachmann auch symbolisch über die Bühne trotten lässt. In den zugänglicheren, weniger kryptischen Passagen ihrer Textfläche führt Jelinek das „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“-Prinzip der sprichwörtlichen drei Affen vor. Niemand will etwas gewusst haben. Margot Gödrös karikiert im Rollstuhl und mit Schweizer Akzent den Unternehmer und ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel, der wie Gottvater über den Dingen stehen möchte.

Hier schlägt Jelinek den Bogen zu einer anderen patriarchal und autoritär geprägten Organisation, die von Missbrauchsskandalen erschüttert wurde: zur katholischen Kirche. Sie bedient sich bei Motiven des kaum bekannten, 1894 erschienen, satirisch-grotesken Dramas „Das Liebesdomizil“ und lässt sich von ihrer assoziativen Sprachbegeisterung treiben.

Nach der ersten der beiden Stunden lichteten sich viele Reihen beim Autorentheatertage-Gastspiel der Kölner Uraufführungs-Inszenierung in Berlin: zu schwer wiegen die Textbrocken, zu langatmig ist der Mittelteil des Abends. Die Spielfreude des starken Ensembles, das mit Skifahr-Einlagen unterhält, die tollen Kostümen (Jana Findeklee und Joki Tewes) und die provozierend-schräge Musikauswahl (Gajek) von DJ Ötzis „Ein Stern“ bis zu „Last Christmas“ sorgen zwar für unterhaltsame Momente.

Dem regieführenden Intendanten Stefan Bachmann ist es aber nicht gelungen, den ausufernden Text in den Griff zu bekommen und eigene Akzente zu setzen. Margarete Affenzeller fühlte sich im Wiener „Standard“ zurecht an einen „Jelinek-Inszenierungskatalog“ erinnert.

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