Kritik zuDer Untertan
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Der kleine Diktator
  · 10.05.19
''Darsteller und Zuschauer ziehen gemeinsam zum Theater des Westens, dessen machtvolle Außenfassade bereits mit seiner repräsentativen Mischung aus Renaissance-, Jugendstil- und Empire-Elementen beeindruckt. Im erleuchteten Foyer sprechen Heßling und der Kaiser nun über die erhabene „deutsche Kunst“ und den Wohlklang der Opern Wagners. Die Zuschauer können sich an den Kristall-Lüstern im Saal ergötzen, bevor es zu der eingespielten Musik des Badenweiler Marsches über die seitliche Kaisertreppe wieder hinein in die Vagantenbühne geht. Hier beginnt nun im Theatersaal die eigentliche Bühnenhandlung. 

Nun gebärt sich Diederich Heßling - jetzt ohne Brille und in kurzer Hose – erstaunlich authentisch als schwächliches Kind. Sein Vater, ein kleiner Papierfabrikant, straft ihn auch körperlich für kleine Vergehen. Dies stärkt jedoch Diederichs Liebe zum Vater und seine unterwürfige Gehorsamkeit nur. Diederich darf bald das fiktive Städtchen Netzig verlassen. Er wird vom Vater zum Studieren nach Berlin geschickt. Hier macht er zusammen mit den Kommilitonen die Kneipen unsicher, trinkt Bier und isst Bratwurst. Er entdeckt seine Liebe zum Kaiser. Als Doktor kehrt er zum väterlichen Betrieb zurück. Alsbald verbreitet er in Netzig mit missionarischem Eifer seinen Glauben an bedingungslose Deutschtümelei verbunden mit Kaisertreue. Mit großer Leidenschaft schätzt er die Ordnung und unterwirft sich zwanghaft der Macht des Stärkeren gemäß der Devise: Nach oben buckeln, nach unten treten. (...)

Die Vorführung beeindruckt mit karikaturistischen Szenen, wenn Heßling etwa während der Verhandlungen um ein Grundstück mit seiner Obrigkeitstreue weniger unterwerfungswillige Gesprächspartner in Verlegenheit bringt oder auch zum Ende hin eine fanatische Rede hält, die bereits dem Tonfall Hitlers ähnelt. Für Bewegung ist auch zu Beginn des zweiten Teils nach der Pause gesorgt, der auf einem Podest im Theaterfoyer beginnt. Ein höchst gelungener und szenisch ausgefeilter Theaterparcours der besonderen Art.'' schreibt Ansgar Skoda am 10. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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