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Deutschland, dein Bayer
  · 05.05.19
''Die vier Trolls singen die biographischen Daten oder Texte des Satirikers zur eher bescheidenen Musik von Dominik Dittrich. Die Lektüre von Mein Kampf habe ihn gegen „völkisches Denken“ immun gemacht, erfahren wir da. Na ja. Was er von der Front zu melden hat, unterscheidet sich in Ton und Inhalt wenig von den Kriegsberichten einer Alice Schalek, die Karl Kraus in seinen Letzten Tagen der Menschheit verewigt hat. 

Collagiert werden Passagen, vorwiegend aus Trolls populärstem Buch Deutschland deine Schwaben. Kehrwochenvorschriften werden als Kantate gesungen, Schimpfwörter und die Namen von Weinlagen aneinander gereiht, die Freude am Klischee wird reichlich bedient. Das ist mäßig komisch. Ein Tucholsky war Troll nicht. 

Die Auswahl und Montage der Zitate ermöglicht sowohl den Kritikern, wie auch den Fans Thaddäus Troll zuzustimmen. Grünewald macht keinen Ansatz, die Mechanismen des Gesinnungswandels, der doppelten Identität zu erklären. Hans Bayer schreibt: „Der Soldat soll nicht kämpfen wollen, er soll aus Hass kämpfen müssen“, und gleich darauf gibt Troll schwäbische Schrulligkeiten zum Besten. Josef Mengele? Kurt Georg Kiesinger? Wen meint Thaddäus Troll? Wen meint Gernot Grünewald? 1978 setzt sich Troll dafür ein, „dass es nie mehr zu einem 1933 kommt“, und er äußert Ähnliches wie kürzlich Kevin Kühnert. Ob er heute für ihn und gegen Andrea Nahles Partei ergreifen würde? Am Schluss ist dieser Thaddäus Troll durchaus ein Mensch, den man sich 2019 zum Vorbild wählen kann. Es könnte ja auch Friedrich Wolf sein, der lange in Stuttgart gelebt hat. Rein theoretisch.'' schreibt Thomas Rothschild am 5. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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