3.5/5
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''Svenja, von Beruf Hospizclown, ist eine strebsame Kleinbürgerin, die aufsteigen will. Wenigstens ins bunte Nachmittagsprogramm der „Goldenen Gans“, der besten Gastwirtschaft im Städtchen Blinden. Die Sache mit dem Humor gestaltet sich aber schwierig, denn Svenja erlaubt ihn sich selbstverständlich nur in einer antidiskriminatorischen Variante. Was dabei herauskommt, darüber lacht vor allem sie selber. In ihrer Verzweiflung und ach so gebildeten Selbstüberschätzung bietet sie im Internet „humornistische Tutorials“ an, eine Mischung aus Humor und Humanismus mit dem Ziel allgemeiner Weltverbesserung. Für ihre ungeschickten Auftritte begeistern sich aber nur 8 Follower. Erst als ihr unschönes Alter ego namens Don, ihr ganzer verdrängter Korrektheits-Frust, sie gegen ihren Willen die schrecklichsten Sachen sagen lässt, bahnt sich ein zweifelhafter Erfolg an... 

Ein wirklich witziges Vier-Personen-Stück (Eva Bay, Marie Bonnet, Simon Brusis, Maximilian Kraus), das ganz auf geschliffenen Dialog und clowneske Szenen setzt. Eine lachsfarbene Schuhschachtel-Bühne (die Farbe Lachs gehört ins Altersheim), fast keine Requisiten. Nur raffiniertes Licht und in beige gewandete SchauspielerInnen - bekanntlich eine gebräuchliche Unfarbe an älteren Damen, die gern ein wenig fein wären, aber so nur umso langweiliger wirken. (Bühne und Kostüme: Moïra Gilliéron). Doch was die vier daraus machen, das ist sehenswert. Besonders Eva Bay in der Rolle der glücklosen Clownin Svenja meisterte ihren höchst anspruchsvollen Part bravourös. Wie schwierig es für sie war, ihre ohnehin chronisch missglückten Witze beim Erzählen vollends zu versemmeln, so dass sie dann doch noch komisch werden, das gab die Regisseurin bei anschließenden, lebhaften Publikums-Diskussion zum Besten. Schmackes hat auch Svenjas Schlußsatz, mit dem sie sich ans Publikum wendet: „Warum ist es so einfach, über die Unterschicht Witze zu machen? Weil sie hier nicht sitzt.“ schreibt Petra Herrmann am 29. April 2019 auf KULTURA-EXTRA
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