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Intellektuelle Unterforderung
  · 29.04.19
''Melvilles Erzählung wird zum Steinbruch, aus den man sich ein paar Sätze und Ideen herausbrechen und dann zum Anlass für szenische Improvisationen nehmen kann. Die intellektuelle Unterforderung des Zuschauers beginnt bereits damit, dass einer der Darsteller immer wieder in die Rolle eines Entertainers schlüpft und in einem deutsch-holländischen Kauderwelsch ein paar Infos über Melville einstreut und Teile der Bartleby-Handlung auf läppisch-verkürzte Weise nacherzählt, bevor sich daran die nächsten schrägen Lieder und schrillen Wortgefechte aus dem Reich der zeitgeistigen Lustlosigkeit entzünden.

Scheinbar gehen die Regisseurin und ihre Mitstreiter, die alles in einem offenen Proben-Prozess gemeinsam erfunden haben, davon aus, dass niemand weiß, wer Melville war, niemand je die Erzählung gelesen oder je den Namen Bartleby gehört hat: Man hat das dumme Gefühl, sie halten die Zuschauer für intellektuelle Zwerge und unwissende Kleinkinder, denen man erst einmal das Einmaleins der Literatur einträufeln und mit dem erhobenen Zeigefinger Nachhilfestunden erteilen muss, bevor man sich dann mit kleinen kabarettistischen Zuckerstücken ans Publikum heran schmeißt und es mit allem, was die klebrigen Klischees so hergeben, zum Lachen bringen will: Neben dem Holländisch radebrechenden Entertainer verblödelt ein Darsteller alles, was er sagt und tut, in einem bizarren Schwizerdütsch, eine andere Kollegin verfällt immer, wenn sie etwas aus ihrer DDR-Vergangenheit erzählt, in ein ironisiertes Sächsisch: Ja, geht´s vielleicht noch ein bisschen alberner?'' schreibt Frank Dietschreit auf kulturradio.de
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