Kritik zuDie Edda
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Alle Geschichten enden im Nichts
  · 23.04.19
''Zu Beginn, wenn die Seherin spricht, schaut man auf eine weiße, neblige Eiswelt, aus der sich seltsame Fellgestalten herauslösen. Zur Weltenschöpfung wird der gigantische Baum auf der Bühne, die immergrüne Weltesche, von einem Dutzend Techniker aufgehängt – außenherum wird gespielt. Dabei steht ein großes Ensemble auf der Bühne: dicke, nackte Riesen in Fatsuits, Sarah Franke als tumber Donnergott mit dicken Schulterpolstern, Philippe Goos als wendiger Halbgott Loki in Glitzeranzug. Ein einziges Wimmeln und Wuseln. (...)

Nach der Pause geht es deutlich berührender zu, wenn Mikael Torfason vom Sterben seines Vaters erzählt, der sich als reueloser, angstfreier Wikinger zum einzigen Glauben an die "Edda" bekennt. Die Bühne dreht sich zu Gabriel Cazes tieftrauriger Live-Version von Arcade Fires dunklem Song "My body is a Cage" – da wird das Vergehen und Sterben plötzlich ganz greifbar.   

Ästhetisch ist der Abend eine Mischung aus vielen Dekonstruktionselementen – alle Geschichten enden im Nichts, Figuren lösen sich auf. Zur "Edda" passt das gut, da der Zyklus ohnehin kein Anfang und kein Ende hat und uns dieser Stoff kaum vertraut ist.Bei Klassikern wie Schiller und Shakespeare kennt man diese Handlungszersetzung bereits von zig anderen postdramatischen Regisseuren – unter die sich Arnarsson in Zukunft an der Volksbühne hoffentlich nicht allzu geschmeidig einreihen wird.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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