Kritik zuNein zum Geld
3.5/5
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Mutation zu Monstern
  · 07.04.19
''Tina Engel hat das Stück etwas zu brav inszeniert. Die Bühne wurde zu einer kleinen, weißen Wohnküche verkleinert, mit schrägen Wänden und Tür ins Kinderzimmer. Hans-Werner Meyer gibt den Idealisten Richard als netten Schnuffel. Seine Frau Claire ist bei Sarah Bauereit deutlich temperamentvoller, wirft sich heulend auf den Boden, zertrümmert das Geschirr. Michael Rotschopf gibt den dandyhaften Freund und Erika Skrotzki die verwitwete Mutter auf Männerjagd mit dem knochentrockenen Humor – die sich allerdings manchmal zu breit auf die Pointen setzt.

Im Laufe des Abends fliegen die Salatschüsseln und Richards Architekturmodelle werden wutentbrannt zertrümmert. Das gerät deshalb mitunter zu seicht, weil Engel das Stück als realistische Komödie durcherzählen will. Doch die Figuren sind eben keine psychologisch ausgefeilten Charaktere, sondern mutieren zu Monstern. Wenn am Ende des Stücks die Geflügelschere gezückt wird, um dem am Boden liegenden Richard den Mund aufzuhebeln, damit er den Lottoschein ausspuckt, ist das nur noch gruselig.

Hier hätte man noch mehr zuspitzen, den ganzen Horror zeigen können. Schließlich haben wir es mit einer finsteren Groteske über den Kapitalismus zu tun, keiner reinen Familien-Komödie. Tina Engel inszeniert mit allerlei bewährten Komödien-Mitteln – es scheint ihr daran gelegen, das Publikum nicht zu sehr zu schockieren. Die Zuschauer dankten es ihr durchaus, mit viel Gelächter und Applaus.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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