Kritik zuDie Edda
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Weltuntergangs-Collage
  · 06.04.19
Die drei Nornen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verkörpern, wachen über die recht unübersichtlichen Intrigen und Machtkämpfe der Götter, die das Programmheft in Kurzfassung schildert. Vor allem Loki (Philippe Goos im glitzernden Anzug) und Thor (Sarah Franke mit Glatze und überdimensionalem Hammer, mit dem sie es vor der Pause donnern lässt) sind die Unruheherde in der Götterwelt. Wie eine Dampfwalze dreht sich über ihnen das Bühnenbild von Wolfgang Menardi, einem der spannendsten Bühnenbildner, der außer mit Thorleifur Örn Arnarsson vor allem mit Thom Luz und Yael Ronen zusammenarbeitet.
 
Die ersten beiden Stunden sind eine Collage voller Slapstick. Es wimmelt von Zwergen, Riesen und Dämonen. Es sei ihm nicht darum gegangen, eine „von A bis Z nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, sondern ein facettenreiches Universum auf der Bühne zu schaffen.“ Das gerät oft albern und hat deutliche Längen. Die zweite Hälfte wird ernster: Elli, das hohe Alter, droht, dass es jeden unweigerlich einholt. Nur die Frage, wann das passieren wird, lässt er offen. Aus dem Off erzählt Mikael Torfason, Koautor der Stückfassung, autobiographische Geschichten von seinem Vater, der seinem kranken Sohn als Zeuge Jehova eine Bluttransfusion verweigerte und schließlich dem Alkohol verfiel. Endpunkt des Abends ist der Todeskampf von Baldur (Maximilian Grünewald), der sich einredet, dass er überleben wird, obwohl die Bühnenarbeiter die Baugerüste längst zum Einsturz bringen. Die Welt der Götter geht im Ragnarök, der isländischen Variante der Apokalypse, unter.

Selten gibt es wirklich gelungene Szenen wie die tolle Choreographie zu „My Body is a Cage“ von Arcade Fire, an denen der Abend zur Ruhe findet und über die hastige Jagd zum nächsten Collage-Schnipsel hinauskommt.

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