3.0/5
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Molière konventionell vom Blatt gespielt
  · 29.03.19
Als sich Molière diese Figuren ausdachte und die Hauptrolle selbst auf den Leib schrieb, hatte er offenkundig den Hofstaat des absolutistischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. vor Augen, dessen „Vergnügungsdirektor“ er war. Der Plot bietet zwar wenig Handlung, aber um so mehr Dialoge, die Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens für ihre Kölner Inszenierung 1983 behutsam übersetzten und dabei die Versform des Originals beibehielten.

Die Karikaturen dieser Hofschranzen und Wichtiguer sind auch Jahrhunderte später noch gutes Schauspielerfutter. Jeremy Mockridge (Acaste) und Elias Arens (Clitandre) als hyperaktives Nebenbuhler-Duo, Judith Hofmann als prüde, sittenstrenge Arsinoé und vor allem Timo Weisschnur, der in seiner Rolle des Oronte schon seit Wochen in lustigen Instagram-Storys aufging und den tumben Schönling als aufgeblasenen, von sich eingenommenen Gecken spielt, haben komödiantisches Talent und sorgen für unterhaltsame Momente.

Ein schöner Einfall ist Florian Lösches Bühnenbild aus weißen Bindfäden, zwischen denen sich die Spieler*innen immer wieder aus dem Hintergrund nach vorne hindurchlavieren müssen und die oft auch zu kleinen akrobatischen Einladungen genutzt werden. Insgesamt bleibt Anne Lenks „Menschenfeind“-Inszenierung aber sehr statisch und wird so konventionell vom Blatt gespielt, als ob sich in den vergangenen Jahrzehnten im Theater gar nichts getan hätte.

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